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Ihr neuer Film „Glück“ (Szene mit Alba Rohrwacher und Vinzenz Kiefer) hat Regisseurin Doris Dörrie Glück gebracht: Am Freitag erhielt die Münchnerin für ihre Verfilmung der Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach den Regiepreis des Bayerischen Filmpreises. „Glück“ startet am 23. Februar in den deutschen Kinos.

33. Bayerischer Filmpreis: Perlen und Publikumserfolge

München - Welch bemerkenswerte Entscheidung: Beim 33. Bayerischen Filmpreis, der am Freitagabend im Münchner Prinzregententheater verliehen wurde, gewannen auch Filme, die sich inhaltlich und ästhetisch vom Gros der Kino-Produktionen abheben. Chapeau!

Ein Film über das Sterben eines geliebten Menschen, ein so abgefahrenes wie hintergründiges Pubertätsdrama und eine schonungslos ehrliche und daher extrem brutale Produktion über deutsche Neonazis: „Halt auf freier Strecke“, „Lollipop Monster“ und „Kriegerin“ haben eigentlich wenig gemein – außer dass die Jury des Bayerischen Filmpreises alle drei Filme jeweils in gleich zwei Kategorien ausgezeichnet hat und sich diese Filme jenseits des Kino-Mainstreams bewegen.

Es ist eine gute, mutige Entscheidung, diesen manchmal vielleicht unbequemen, in jedem Fall aber inhaltlich wie ästhetisch bemerkenswerten Produktionen Anerkennung, einen Porzellan-Pierrot und stattliches Preisgeld zuteilwerden zu lassen. Immerhin ist der Bayerische Filmpreis mit mehr als 300 000 Euro Preisgeld nach dem Bundesfilmpreis die höchstdotierte Auszeichnung in der deutschen Filmlandschaft.

Der Produzentenpreis wurde geteilt. Außer Peter Rommel (für „Halt auf freier Strecke“) erhielt auch das Team hinter „Hotel Lux“ 100 000 Euro. Bei Rommel würdigte die Jury dessen Mut und Selbstbewusstsein, einen Film auf den Weg zu bringen, „von dem man von Anfang an weiß, dass er eine Zumutung ist und die wenigsten Menschen ihn aushalten können“. Regisseur Andreas Dresen beobachtet in dem Drama, wie ein 44-Jähriger allmählich an einem Gehirntumor stirbt: Wie gehen er, seine Frau, seine Kinder damit um? Doch nicht nur den Mut des Produzenten fanden die Juroren preiswürdig: Sie ehrten auch die schauspielerischen Leistungen von Steffi Kühnert und Milan Peschel, die als Ehepaar Simone und Frank Lange in „Halt auf freier Strecke“ zu erleben sind.

Mut hat auch der junge Regisseur David Wnendt bewiesen, der in seinem Debüt „Kriegerin“ von einer Neonazisse erzählt: „Unbarmherzig genau und ohne einen Hauch von Klischee beschreibt Wnendt, warum junge Menschen und gerade junge Frauen zu Rassisten werden“, urteilte die Jury. Er habe dabei eine „souveräne filmische Handschrift“ entwickelt. Der Absolvent der Potsdamer Filmhochschule erhielt den Nachwuchsregiepreis. „Kriegerin“ ist am vergangenen Donnerstag in den Kinos angelaufen – „ein aufwühlender Einblick ins Denken und Fühlen der Rechtsradikalen“, schrieb die Kritikerin unserer Zeitung über den Film.

Für ihre schauspielerischen Leistungen in eben dieser Produktion und in dem herrlich schrägen Pubertätsdrama „Lollipop Monster“, das im vergangenen Sommer im Kino leider unterging, wurde Jella Haase als beste Nachwuchsdarstellerin geehrt. Völlig zu Recht ist die Jury von der jungen Frau hingerissen: „Wir blicken in ihr undurchdringliches Gesicht und entdecken dort etwas Seltenes: die Monstrosität des Nichts und der Leere. Gleichzeitig wird hinter dieser Maske in jedem Augenblick etwas anderes spürbar, ein Universum an Empfindungen und Gefühlen.“ Der Kameramann Hannes Hubach wurde zudem für seine ausdrucksstarke Bildgestaltung in „Lollipop Monster“ geehrt.

Doch der Filmpreis ging nicht nur an oft übersehene Perlen. Ausgezeichnet wurden auch Leistungen und Produktionen, die das große Publikum begeisterten: Mehr als eine Million Menschen haben bislang etwa Bettina Mittendorfer in der bayerischen Komödie „Eine ganz heiße Nummer“ erlebt, in der ihre Figur mit zwei Kolleginnen in ihrer katholischen Heimat eine Sex-Hotline gründet. Mittendorfer, die im Chiemgau lebt, wurde für ihre Leistung in Markus Gollers Film als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Vorschusslob gab es am Freitag für Doris Dörrie, die den wichtigen Regiepreis erhielt: Für ihren neuen Film „Glück“ hat sie eine Kurzgeschichte des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach adaptiert. Ob das Publikum davon so begeistert sein wird wie die Jury („Wir Zuschauer haben ,Glück‘, diese große Regisseurin zu haben.“) zeigt sich ab 23. Februar. Dann startet der Film in den Kinos.

Michael Schleicher

Das sind die Preisträger des Bayerischen Filmpreises

Am Freitagabend wurde im Münchner Prinzregententheater zum 33. Mal der Bayerische Filmpreis verliehen. Ausgezeichnet wurden:

Produzentenpreis:

Der Produzentenpreis wurde geteilt und ging mit jeweils 100 000 Euro an Günther Rohrbach, Corinna Eich und Jan S. Kaiser für den Film „Hotel Lux“ sowie an Peter Rommel für die Produktion „Halt auf freier Strecke“.

Regiepreis:

Der mit 10 000 Euro dotierte Regiepreis wurde an Doris Dörrie für ihren Film „Glück“ vergeben.

Beste Darstellerin:

Den Preis für die beste Darstellerin, dotiert mit 10 000 Euro, erhielt Bettina Mittendorfer für ihre Rolle in „Eine ganz heiße Nummer“.

Beste Darsteller:

Für ihre Rollen in „Halt auf freier Strecke“ erhielten Milan Peschel und Steffi Kühnert den mit jeweils 10 000 Euro dotierten Darstellerpreis.

Bestes Drehbuch:

Der Drehbuchpreis, dotiert mit 10 000 Euro, ging an Christian Zübert für sein Skript zum Film „Dreiviertelmond“.

Beste Bildgestaltung:

Für seine Kameraarbeit beim Film „Lollipop Monster“ erhielt Hannes Hubach den Preis für die beste Bildgestaltung (10 000 Euro).

Bester Dokumentarfilm:

Den mit 10 000 Euro dotierten Preis bekam Arnon Goldfinger (Regie und Drehbuch) für seine Dokumentation „Die Wohnung“.

Beste Nachwuchsdarstellerin:

Jella Haase wurde für ihre Schauspielleistungen in „Lollipop Monster“ und „Kriegerin“ ausgezeichnet (10 000 Euro).

Bester Nachwuchsregisseur:

David Wnendt erhielt für „Kriegerin“ den mit 10 000 Euro dotierten Nachwuchsregiepreis.

Bester Kinderfilm:

Christian Ditter (Regie und Drehbuch) sowie Christian Becker (Produktion) wurden mit dem mit 10 000 Euro dotierten Preis für ihren Film „Wickie auf großer Fahrt 3D“ geehrt.

Bester Schnitt:

Andreas Menn wurde für seine Arbeit am Film „Hell“ ausgezeichnet (10 000 Euro).

Nachwuchsproduzentenpreis:

Wie berichtet, haben Boris Jendreyko und Thomas Klimmer für die Produktion des Films „Die Farbe des Ozeans“ den Nachwuchsproduzentenpreis (60 000 Euro) erhalten.

Ehrenpreis des Ministerpräsidenten:

Horst Seehofer zeichnete Wim Wenders für seine „herausragenden Leistungen als Regisseur für den bayerischen und deutschen Film“ mit dem undotierten Ehrenpreis aus.

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