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Hauptpreisträger Christian Springer

Mit Sympathie und Ironie

Bayerischer Kabarettpreis vergeben

München - Im Münchner Lustspielhaus wurde am Montagabend der diesjährige Bayerische Kabarettpreis vergeben.

Auch wenn sie nicht am neuen Programm schreiben, stehen Kabarettisten manchmal vor großen Herausforderungen – nämlich dann, wenn sie ihre Kollegen loben sollen. Denn nicht nur der Zuschauer, sondern auch der Künstler will anderes hören als die üblichen Formeln, die bei Galas gebraucht werden. Die Preisträger des diesjährigen Bayerischen Kabarettpreises konnten sich, so gesehen, über ihre Laudatoren freuen – von hohem Respekt, tiefer Sympathie und nur ganz wenig Ironie geprägt waren die Reden, die am Montagabend im Münchner Lustspielhaus auf sie gehalten wurden.

Die von Monika Gruber auf Hauptpreisträger Christian Springer beispielsweise. Der lasse seinen Worten Taten folgen, spielte die Erdingerin auf das Engagement des als „Fonsi“ bekannt gewordenen Künstlers für die Menschen in Syrien an. Springer setze sich für die Schwachen ein – „kein Wunder, als Sechzger-Fan“. Der „menschlichste aller Kabarettisten“ sei auch privat ein Tröster der Verlassenen, so Gruber: „Und ich weiß, wovon ich rede.“

Der solchermaßen Geehrte bedankte sich mit energischen Worten an Politiker und gut gelaunte Radiomacher und überreichte seiner Laudatorin – eine „Fonsi“-Aktentasche. Als Einziger in seiner Bühnenrolle blieb zu Beginn des von Michael Altinger gewohnt charmant moderierten Abends Urban Priol. In seiner väterlichen Rede auf „Senkrechtstarter“ Max Uthoff nahm er mal eben seine Lieblingsfeindin Angela Merkel aufs Korn („Sie tut so, als täte sie was“), um den Preisträger schließlich aufzufordern, „Schneisen der Denkklarheit“ zu schlagen. Ganz Jünger seines Herrn, sprach Uthoff poetisch vom Parlamentarismus, der sich „Rouge ins Gesicht gedonnert“ habe, und warb für neue Fernsehformate wie „Schlag den Steinbrück“.

In nachbarschaftlicher Verbundenheit formulierte Bruno Jonas seine Worte auf Musikpreisträger Andreas Rebers, der in München im selben Haus wohnt. Rebers sei „hochmusikalisch“, so Jonas mit gespielt säuerlichem Lächeln, ein „ganz scharfer Kabarettist, der auch mal auf Beifall verzichtet“. Aber nicht an diesem Abend – Rebers schnallte sich das Akkordeon vor die Brust, huldigte der Kanzlerin auf dem elektrischen Piano und sang sein Publikum mit dem Evergreen „Fliesenleger“ in Ekstase.

Noch mehr nostalgische Gefühle löste Ehrenpreisträger Konstantin Wecker aus, dem Luise Kinseher eine ebenso kluge wie herzliche Liebeserklärung machte. „Er hat uns alles und sich nichts geschenkt“, sagte Kinseher, die Weckers Charisma pries: „Wer mit Dir im Konzert sitzt, tritt in eine Beziehung mit Dir.“ Wecker („Ich bin tatsächlich angerührt“) dankte, indem er wie einst den Flügel donnern und mit „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ Sehnsuchtsstimmung aufkommen ließ.

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung zeigt das Bayerische Fernsehen am Freitag um 22.15 Uhr.

Von Rudolf Ogiermann

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