Glückliche Gewinner: Marc-Uwe Kling, Camela De Feo, Ottfried Fischer und Josef Hader (v. l.).

Bayerischer Kabarettpreis: Zwischen genial und bekloppt

München - Der Bayerische Rundfunk hat bedeutende Laudatoren aufgeboten, doch Ottfried Fischer, der mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises ausgezeichnet werden soll, wird mit einem kurzen Einspieler geehrt, der ihn auch als Schauspieler würdigt.

Und kaum ist dieser Einspieler aus, stemmt sich der schwergewichtige Künstler auch schon auf die Bühne des Münchner Lustspielhauses, so als wolle er den Kollegen jedes weitere (lobende) Wort über ihn abschneiden. Doch Christian Springer ist bereits angetreten zur sehr persönlichen Hommage, die er sich natürlich nicht nehmen lassen will. Deswegen muss der Otti wohl oder übel noch mal für ein paar Minuten den Platz räumen.

Macht nichts, wird nachher (vermutlich) rausgeschnitten, aus der von Michael Altinger moderierten Aufzeichnung, für die der BR hier am Dienstagabend seine Kameras aufgebaut hat. Sie fangen eine von den Popolskis mit musikalischer Wucht und Wodka aufgeheizte Atmosphäre ein, in der die Zunft sich feiert – und zwar mit einer Innigkeit, die nichts zu tun hat mit der Routine, die bei Film- und Fernsehpreisgalas oft vorherrscht.

Das beginnt mit Bodo Wartke, der mit einer Bewunderung, in der auch etwas Verzweiflung mitklingt, an Senkrechtstarter Marc-Uwe Klings viele Siege bei Poetry Slams erinnert. Obwohl er „alles falsch gemacht“ habe, habe Kling bereits bei seinem ersten Auftritt gewonnen, so Wartke, der, besonders bitter, damals unter den Verlierern gewesen sei.

International wird es dann, als der Franzose Emmanuel Peterfalvi alias Alfons bei Musikpreisträgerin Camela De Feo alias „La Signora“ seinen Charme spielen lässt. Die Exotik ist nur Mittel zum Zweck, denn wie gut De Feo, in Oberhausen geborene Tochter italienischer Eltern die deutsche Sprache beherrscht, beweist die Quetschkom(m)ödiantin („Ich hab’ ganz feuchte Knie!“) anschließend in einem urkomischen Solo mit viel Musik und Wortwitz.

Dieter Nuhr wäre nicht Dieter Nuhr, wenn er nicht den hohen Ton der klassischen Lobeshymne brechen würde. Josef Hader, Empfänger des Hauptpreises, sei „kein perfekter Künstler“, feixt Nuhr, schließlich sei er „leicht sehbehindert – und Österreicher“. Ein „so lustiger Vogel, dass es ans Bekloppte grenzt – und ans Geniale“. Und Hader tut seinem Laudator – und dem Publikum – den Gefallen und liefert ein kleines Resümee seiner großen Kunst, so buchstäblich unfassbar in seiner Art, dem Menschen den (Zerr-)Spiegel vorzuhalten.

Und der Otti? Lässt sich von „Fonsi“ feiern, übersteht auch den anschließenden Jubel und erzählt ein wenig aus seinem Leben. Der 57-Jährige, immer wieder in den Schlagzeilen wegen seines Liebeslebens und seiner Krankheit, ruht vor der Kamera ganz in sich, lobt Hader und am Ende unnachahmlich verschmitzt sich selbst: „Alles, was ich erreicht habe, ist ausschließlich meiner Chuzpe, Fortune und Genialität zu verdanken.“

Der BR zeigt die Aufzeichnung der Preisverleihung am 7. Oktober um 22.30 Uhr.

Rudolf Ogiermann

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