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Bayerischer Rembrandt

Paudiß im Freisinger Dombergmuseum: - Dem Freisinger Dombergmuseum ist ein richtiger Coup gelungen. Und mit dem schön frechen Titel "Christopher Paudiß 1630- 1666 - Der bayerische Rembrandt?" ist der Ausstellung große Aufmerksamkeit gewiss. Dass der Vergleich eine "Zumutung" sei, bekennt Museumschef Peter B. Steiner sogleich.

Mit dieser fabelhaften Künstler-Entdeckung scheidet er aus dem Amt; Nachfolgerin ist Kollegin Sylvia Hahn. Dann aber erklärt Steiner überzeugend, dass Paudiß durchaus mit den bedeutendsten Barockmalern mithalten konnte - und sich auch selbst so sah.

Ein anderer Barock

Paudiß hatte nach Lehr- und Wanderjahren seine Heimat in Freising gefunden. In südlichen Gefilden, wo man den katholischen Barock eines Rubens und der Italiener feierte. Aber Fürstbischof Albrecht Sigismund war ein weitsichtiger Mann und sah als Katholik sehr wohl die tiefsinnigen Qualitäten des evangelischen Barocks à la Rembrandt. Der weitgereiste Maler nahm diese Liberalitas Bavariae - vielleicht ein wenig ironisch - gerne an: In seinem Selbstporträt, das Meister Rembrandt demonstrativ zitiert, steckte er sich an die Bettlermütze (!) einen kleinen Gamsbart. Christopher Paudiß war in Bayern angekommen.

Seine "fruchtbarste Zeit" hatte der Künstler in Freising, so Steiner. Ausgehend von den Gemälden aus dem Besitz des Diözesanmuseums und der Staatsgemäldesammlungen begab man sich auf die Suche nach weiteren Werken. Jetzt können 33 Bilder aus Museen von Rotterdam bis St. Petersburg und damit drei Viertel des Œuvres bestaunt werden: in der ersten Ausstellung über diesen deutschen Barockmaler.

Ein lohnender Rundgang, da Paudiß vielseitig war. Er schuf nicht nur enorm einfallsreich Bilder mit christlichen Themen, sondern auch Porträts, Tierszenen, Stillleben und Genrebilder, Bauernhistorien genannt. Geprägt von den grauenvollen Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs waren Tod und Vergänglichkeit stets präsent. Aber immer zusammen mit Lebenslust, ja Lebensgier. Nie waren die Leiber üppiger, die Tafeln reicher gedeckt, die Feiern überschwänglicher. Paudiß hielt sich da eher zurück. Er schaute auf die Armut der Menschen, auf Krankheit, Gewalt, Raffsucht. Sich selbst zeigte er öfters mit längst altmodischem Federbarett, in schäbigen Umhängen fast als Spottfigur auf einen Malerfürsten. Ein verzweifeltes Trotzdem sind das Tanzen und Musizieren der Bauern. Not, Krankheit und Verkrüppelung sind immer dabei.

Das Museum macht diese Zusammenhänge von europäischer Geschichte, individuellen Lebensumständen des Künstlers und seinem Schaffen auf illustrierten Tafeln im Säulengang der Halle didaktisch klug deutlich: also knapp und eingängig. Die Bildnisse von Übervater Rembrandt und seinem Schüler Paudiß sind provokativ einander gegenübergestellt. Ein Kabinett mit wunderbaren Rembrandt-Grafiken hilft außerdem aufzuspüren, wie Paudiß sich entwickelte und emanzipierte. Bei dem fast vier Meter hohen Bild "Vertreibung der Händler aus dem Tempel" merkt man, wie er die hochkomplexen Körper-Systeme etwa eines Rubens verarbeitete. In dem düsteren Raum explodiert ein Wirbel von Fluchtbewegungen. Sie gehen in Tollheit über, weil sie alle einander widerstreben. Eine extreme Komposition.

Extrem auch der grausige Naturalismus des Wettbewerbsbildes "Wolf, Fuchs und Schaf". Christopher Paudiß trat damit gegen den Nürnberger Kollegen Rösel von Rosenhof an. Beide Arbeiten kann der Besucher noch heute vergleichen - und Paudiß‘ "Biss" bewundern. Obwohl er "naturkundlich" korrekt bleibt, verschärft er das Tier-Drama: hervorquellende Gedärme des gerissenen Schafs, drohend hochgezogene Wolfslefzen, funkelnde Augen. Das Gemälde wird so zur Fabel, die drastisch das berühmte "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf" illuminiert.

Bis 8. Juli, Domberg 21, täglich außer montags 10-17 Uhr, Tel. 08161/ 48 790; Katalog: 19 Euro.

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