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Wenn das Quartett unvollständig ist, genügt den drei anwesenden Zwirbeldirn-Musikern auch eine einzige Geige (v. li.): Maria Hafner, Simon Ackermann und Evi Keglmaier.

Die Münchner Band "Zwirbeldirn"

Bayerisches mit Swing

Müchen - Die Münchner Band "Zwirbeldirn" beweist mit der CD „jabitte“, dass gute Volksmusik in der Stadt bestens aufgehoben ist.

Stellen Sie sich vor: Sie stehen in einem Studio in Untergiesing und jodeln hochkonzentriert vor sich hin. Auf einmal mischt sich ein steriles Läuten in die Aufnahme. Drei absteigende Töne, immer wiederholt, schnell und aufdringlich. Der Jodler erstirbt Ihnen im Halse. Alle Blicke gehen zur Tür. Der Postbote ist da – und der Tonmeister hat vergessen, die Klingel abzustellen.

Was würden Sie tun? Noch mal jodeln und neu aufnehmen? Die Münchner Gruppe Zwirbeldirn hat den verklingelten Jodler einfach so gelassen und zur Eröffnung auf ihr neues Album „jabitte“ gepackt. Wie ein Statement, nach dem Motto: Die folgenden 16 Stücke sind bewusst roh aufgenommen, ohne Überproduktion. Wer dem neuen Werk des Quartetts etwa gleich nach einer Rihanna-Platte lauscht, wird merken, was damit gemeint ist: Zwirbeldirn machen Volksmusik aus Leidenschaft – und das darf man auch hören.

Tänze und Wirtshauslieder aus Bayern und halb Europa gehören ebenso zum Repertoire der Band wie Walzer, Polka, alte Schlager, Wiener Schrammelmusik, Münchner Couplets und schrullige Chansons. Seit fünf Jahren spielt die Combo in der heutigen Formation: die drei Geigerinnen Maria Hafner, Beatrix Wächter und Evi Keglmaier, von denen letztere gerne mal auf die Bratsche umsteigt, sowie Simon Ackermann am Bass. Der Bandname entstand unter Alkoholeinfluss, versichert Maria Hafner: „Es war Zirbelschnaps im Spiel, daraus wurde dann irgendwann Zwirbel. Außerdem waren wir damals nur zu dritt. Drei Frauen – daher kamen wir auf Dirn. Unser Mann muss diesen Namen halt jetzt mittragen.“

Der Mann, ein studierter Kontrabassist, stieß erst 2009 zu Zwirbeldirn. Simon Ackermann singt nicht – weil er schlicht „ned mog“ – und überlässt den Damen die schwierige Aufgabe des Solo- und Dreigesangs. Als Einziger in der Band befasste er sich zuvor niemals explizit mit bayerischer Volksmusik, während Maria Hafner und Beatrix Wächter damit aufgewachsen sind und Evi Keglmaier spätestens beim Musikstudium auf den Geschmack kam. Mittlerweile bewegen sich die vier Musikanten in einer richtigen kleinen Münchner Szene. Jeder von ihnen tritt mit anderen Ensembles auf. Man spielt spontan bei Stammtischen, man kennt die Kollegen, teilt mit ihnen Proberaum, Bühne und das Bier danach. Zu den befreundeten Gruppen zählen unter anderem die Landlergschwister und die Express Brass Band. „Das Einzige, was uns momentan in München fehlt, sind die kleinen Bühnen“, sagt Ackermann. „Das sind einfach zu wenige für eine so große Stadt.“

Dennoch können sich Zwirbeldirn ein Leben außerhalb von München nicht vorstellen. Ackermann, ursprünglich aus Wasserburg, lebte eine Zeit lang auf dem Dorf. Das funktionierte überhaupt nicht. „Da glauben sie, du seist ein Arbeitsloser – schließlich ist man als Musiker tagsüber zuhause und abends weg.“ Und Evi Keglmaier ergänzt: „Am Dorf fehlt es einem als freischaffender Künstler an sozialem Leben. Die freiwillige Feuerwehr allein kann dich auch nicht auffangen.“ Schon aufgrund ihrer Liebe zum Urbanen fühlt sich die Band geschmeichelt, wird sie mit den alten Münchner Volkssängern verglichen – auch wenn sie sich niemals selbst in einem Atemzug mit diesen nennen würde.

Mit der Vorstellung, dass bayerische Folklore von der Almhütte oder vom Bauernhof kommen muss, räumen Zwirbeldirn jedenfalls restlos auf. Bei ihren Auftritten tragen die Musiker denn auch nicht unbedingt Dirndl und Lederhosn, sondern liebevoll-schrille Kombinationen mit Nostalgieflair und Flohmarktoptik. Dieser skurrile Chic, der Mix aus Vergangenheit und höchst lebendiger Gegenwart, durchströmt auch die Lieder auf dem neuen Album. Keines davon stammt diesmal aus der Feder der Bandmitglieder – man hatte genug anderes Material: Traditionelles, Werke von befreundeten Musikern sowie längst verstorbenen und fast vergessenen Meistern. Eins davon, die „Weltschmerzballade“ von Die weißblaue Drehorgel mit dem berühmten Refrain „Do dad er mir aa stinga“, kommt aus den eigentlich recht gruseligen Dreißigerjahren, ist jedoch ein klingender Beweis dafür, dass die Idee, Bayerisches mit Swing und Lässigkeit zu kombinieren, gar nicht so neu ist.

Katrin Hildebrand

Zwirbeldirn: „jabitte“

(Trikont).

Die Musiker stellen ihr neues Album heute Abend, 21 Uhr, im Rahmen eines Konzerts im Münchner Club Milla, Holzstraße 28, vor. Telefon 089/ 18 92 31 01.

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