Szene aus der Volkstheater-Inszenierung „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“.
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Wann ist es soweit? Läuft alles nach Plan, sprechen der Boandlkramer (Maximilian Brückner) und der Brandner Kaspar (Alexander Duda) am 4. Juli dem Kerschgeist zu.

Volkstheater, Kammerspiele, Residenztheater, Münchner Symphoniker und Dreiviertelblut bei „Bayern spielt“

Der Brandner Kaspar rockt den Münchner Königsplatz

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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Die Aktion „Bayern spielt“ soll im Sommer unter freiem Himmel Kunst und Kultur in die Kommunen im Freistaat bringen. Auftakt ist am Münchner Königsplatz mit dem Münchner Volkstheater, den Kammerspielen, dem Staatsschauspiel, den Münchner Symphonikern und der Band Dreiviertelblut.

  • Kulturschaffende in Bayern planen derzeit die Aktion „Bayern spielt“.
  • Noch sind nicht alle Genehmigungen da, aber Auftakt soll am 29. Juni auf dem Münchner Königsplatz sein.
  • Zum Abschluss in München zeigt das Volkstheater seinen legendären „Brandner Kaspar“.

Ozzy und Black Sabbath waren zu Gast. Iron Maiden spielten hier. Ebenso wie Kiss, Eric Clapton und Steve Winwood. Anna Netrebko und Jonas Kaufmann traten vor den Propyläen auf. Aerosmith und Grönemeyer nicht zu vergessen. Das ist nur eine kleine Auswahl von Konzerten, die in den vergangenen Jahren auf dem Münchner Königsplatz zu erleben waren. Wenn die Politik grünes Licht gibt, werden sich in die illustre Liste der Künstlerinnen und Künstler, die den Platz bespielten, heuer der Brandner Kaspar, die Marei und der Boandlkramer einschreiben. Zudem die Musketiere D’Artagnan, Athos und Porthos.

„Bayern spielt“ ist eine Aktion des Kunstministeriums

Denn derzeit laufen die Planungen für die Aktion „Bayern spielt“. Dabei will der Freistaat „mit vielfältigen Veranstaltungen Kunst und Kultur direkt erlebbar, spürbar, sichtbar machen“, wie Kunstminister Bernd Sibler (CSU) mitteilt. Nach Informationen des „Münchner Merkur“ soll der Auftakt des landesweiten Kultursommer-Programms am 29. Juni auf dem Königsplatz stattfinden, der für sechs Abende die Kulisse für Kunst und Kultur sein wird – mit Signalwirkung für andere Kommunen, hoffen die Veranstalter.

2005 feierte der „Brandner Kaspar“ Premiere im Volkstheater

Noch beschäftigen sich die Behörden mit den Genehmigungen, freilich tüfteln die Macher derweil intensiv am Programm. Was bislang bekannt geworden ist, verspricht vielfältig zu werden – mit einem echten Klassiker zum Abschluss, der mindestens so viel Spektakel bietet wie die Show einer Rockband: Am 4. Juli ist unter freiem Himmel Christian Stückls längst schon Kult gewordene Inszenierung „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ zu sehen. Premiere im Volkstheater war vor 16 Jahren – seitdem sorgt die herrlich lebenspralle Produktion mit Maximilian Brückner als Boandlkramer für Begeisterung. „Wir freuen uns alle total darauf. Das Ensemble ist in die Luft gesprungen, als es davon gehört hat: Endlich wieder ,Brandner Kaspar‘“, sagt Regisseur und Intendant Stückl. Im Volkstheater, ein paar hundert Meter die Brienner Straße hoch, endet am 20. Juni die Spielzeit – das Haus zieht danach in sein neues Domizil im Schlachthofviertel. Der Königsplatz-Auftritt ist für Stückls Team also auch ein besonderes Finale. „Durch unsere Gastspiele im Passionstheater in Oberammergau sind wir befähigt für große Bühnen“, sagt Stefan Murr, der im Stück als Florian zu sehen ist, der mit dem Brandner Geschäfte macht. „Zwar gehört die Produktion ins Volkstheater – aber ein Ausflug an die frische Luft ist immer schön.“

Das Residenztheater schickt „Die drei Musketiere“

Darauf freuen sich auch die „Drei Musketiere“, genauer: deren Pferde. Die sehr freie und tiervernarrte Bearbeitung von Alexandre Dumas’ Roman durch Antonio Latella und Federico Bellini schickt das Staatsschauspiel auf den Königsplatz. „Es wird für uns eine Herausforderung, die Inszenierung für ein Open-Air zu adaptieren“, sagt Ingrid Trobitz, die stellvertretende Intendantin. „Aber unsere Darsteller nehmen die Herausforderung sehr gerne an und freuen sich, bei ,Bayern spielt‘ dabei zu sein.“

Der Auftakt am 29. Juni wird von den Kammerspielen gestaltet. Das Haus will auf dem Königsplatz endlich jene Performance nachholen, mit der im Oktober auf dem Odeonsplatz die Intendanz von Barbara Mundel hätte starten sollen: „What is the City but the People“ heißt das Stadtraumprojekt, das auf einer Idee von Jeremy Deller basiert. „Diese Performance ist ein programmatischer Teil unserer Arbeit, in dem wir aktiv auf die Münchner Stadtbevölkerung zugehen und sie einbinden“, erklärt die Intendantin. „Die Inszenierung hat etwas Verbindendes und bringt Menschen aus der Isolation. Sie hinterfragt, wer wir als Gemeinschaft sind, und bietet etwa 150 Münchnerinnen und Münchner eine Bühne.“

Bühne frei auf dem Münchner Königsplatz: Hier soll „Bayern spielt“ mit dem Kultursommer gastieren.

Doch „Bayern spielt“ nicht nur Theater, sondern auch Musik – auf dem Königsplatz an drei Abenden. Einen davon werden die Verantwortlichen der Muffathalle kuratieren. Einen weiteren bestreiten Gruppen der freien Szene – hier laufen die Gespräche; Namen stehen noch nicht fest. Sicher ist dagegen, dass die Münchner Symphoniker zusammen mit der Band Dreiviertelblut um Sebastian Horn und Gerd Baumann den Königsplatz rocken wollen. Beide Formationen haben schon häufiger kooperiert – „die Emotionen, die bei unseren gemeinsamen Konzerten vermittelt werden, sind kraftvoll, einzigartig und wirken lange nach“, sagt Orchester-Intendant Tilman Dost. „Wir freuen uns darauf, mit einem hoffentlich großen Publikum auf dem Königsplatz diesen wundervollen Konzertmoment zu feiern.“ Wie viele Menschen das miterleben dürfen, ist offen. Derzeit sind 250 Gäste bei Veranstaltungen unter freiem Himmel erlaubt – 450 weniger als bei einem Opern-Abend im Nationaltheater. Die Kultursommer-Macher hoffen, dass sich dies mit der nächsten Infektionsschutzverordnung ändert. In den kommenden zwei Wochen wird das Kunstministerium die Planungen vorstellen. Für Bayerns Kulturszene gilt bereits heute das Musketier-Motto: „Einer für alle, alle für einen.“

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