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Ein verliebter Kater mit seiner Chefin: Intendant Josef Köpplinger (re.) probt mit Sigrid Hauser als „Rössl“-Wirtin und Daniel Prohaska als Zahlkellner Leopold eine Szene aus dem berühmten Singspiel von Ralph Benatzky.

Bayerns Sangeslust anstacheln

München - Die neuen Gaukler sind in der Stadt. In dieser Woche hat das Team des Gärtnerplatztheaters um Intendant Josef E. Köpplinger mit den Proben fürs „Weiße Rössl“ begonnen. Ein Besuch in Harlaching.

Nero kratzt das alles wenig. Besucher werden vorsichtig beäugt, bekläfft eher weniger. Und bei freundlicher Annäherung lässt sich der schwarze Mischlingsrüde gern auf den Rücken sinken. Proben? Erst einmal wird gekrault. Im Idyll fernab des Zentrums hat sich das neue Team des Gärtnerplatztheaters gefunden. Auf dem großen Rasengrundstück stehen Bierbänke für die Kaffeepause, drinnen, im Harlachinger Probengebäude, Metallklappstühle vor weißblauen Holzwellen, die sich lustig kräuseln. „Wir bebildern das ganz einfach, ganz naiv“, sagt Josef Köpplinger.

Doch heute ist erst einmal Streit. Da kann Leopold noch so als verliebter Kater die Wirtin umschnurren, ihr sogar nachjagen: Das Happy End ist noch weit. Immer wieder unterbricht Köpplinger, freundlich (vielleicht auch in Anbetracht des Probenbeobachters), insistiert, korrigiert kleine Gesten, will musikalische Pausen, manchmal eine andere Gesangsphrasierung. Eine Puzzelei. Doch hier, in diesem Repertoire, so scheint’s, sind die Beteiligten zu Hause. Der regieführende Intendant sowieso, aber auch Sigrid Hauser und Daniel Prohaska.

Mit seinen beiden Protagonisten hat sich Köpplinger Allrounder aus Wien nach München geholt. Sigrid Hauser, Volksopern-erfahren, TV-gewohnt, Mörbisch-gestählt und mit dem Programm „Sex and the Sigrid“ unterwegs, lässt sich schwerlich in eine Schublade packen. Ähnliches bei Daniel Prohaska, der von Wagners „Holländer“-Steuermann bis zum Tony der „West Side Story“ schon vieles ausprobiert hat. Dabei hätten sich beide früher nie vorstellen können, ausgerechnet in einem Singspiel von Ralph Benatzky zu landen. „Operette mochte ich gar nicht, das haben wir nie in der Familie gehört“, sagt Prohaska. Hauser stand der Sinn eher nach anderem: „Wenn, dann habe ich mir Schlager angehört. Caterina Valente – super!“ Wie sie überhaupt ihr Initialerlebnis einst in der Wiener Stadthalle bei Sammy Davis Jr. hatte. Nur ganz oben, im Juchhee, hatte sie sich eine Karte leisten können. Der Star war von dort aus winzig klein. Doch als er in ihre Richtung winkte, da winkte Sigrid Hauser zurück. „Ein Schmarrn natürlich, der konnte mich ja nicht gemeint haben. Aber so eine Präsenz! Das war mir ein Vorbild.“

Das Naserümpfen über Operette und Musical – da hat Josef Köpplinger, erklärter Fan der leichten Muse, seinen Hauptkampfplatz. Vor allem die Gute-Laune-Zeit der 50er-Jahre habe viel verbockt. „Die Operette ist dank mancher Musikfilme zur Volksverblödung degradiert worden und hat sich zum Teil heute noch nicht davon erholt“, sagt er. Dabei stecke doch gerade im „Weißen Rössl“ unheimlich viel. Satirisch, frivol, frech sei es und dürfe nicht mit Konzeptfracht belastet oder Unterhaltungskitsch verkleistert werden. Das „Rössl“ eine Art Emanzipationsliteratur? Ein gutes Stück schon, glaubt „Wirtin“ Hauser, wenn man das Uraufführungsjahr 1930 bedenke. Ob ihr Kollege also heute auch mit einer Vorgesetzten zurechtkäme? „Chef ist Chef und Chefin ist Chefin, ich bin da ganz emanzipiert“, grinst Daniel Prohaska.

Vor dem Sprung aus dem Harlachinger Park-Idyll ins Fröttmaninger Theaterzelt ist dem Team (noch) nicht bange. Zwei Wochen vor der Premiere am 11. Oktober wird umgezogen. Dass Hauser und Prohaska miteinander vertraut sind, ist zu hören. Das Dialogtempo ist hoch, ein Schlagabtausch, der auch auf der großen Bühne nicht ausgebremst werden soll: Wie im dortigen Theaterzelt üblich, werden die Darsteller mit Mikroports verkabelt und verstärkt.

Das „Weiße Rössl“, die erste Premiere des neuen Gärtnerplatz-Chefs, soll eine Kult-Aufführung werden. Das gebieten allein schon die Rahmenbedingungen. Über 30 Abende mit je 1500 Plätzen, das muss erst einmal verkauft werden. Immerhin: Das Stück ist bekannt. Und so beliebt, dass wahrscheinlich jeder mitsingen, zumindest -summen kann – und dieses Bedürfnis auch in Sondervorstellungen ausleben darf. Die Termine am 27.10. und 30.11. sind „Sing-Along-Vorstellungen“. Vorab wird ein Extra-Packerl mit Fähnchen und Liedtexten verteilt, während der Aufführung darf dann mitgemacht werden. Aber zwei Abende von 30? Gut möglich, dass Köpplinger da die Sangeslust der Bayern unterschätzt hat.

Markus Thiel

Aufführungen

ab 11. Oktober;

Telefon 089/ 2185-1960.

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