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Eine hinreißende Violetta: Sonia Ciani in „La Traviata“ auf Gut Immling.

Bayerns zweiter Grüner Hügel

Das 17. Opernfestival auf Gut Immling wurde mit Waltraud Lehners Inszenierung von Verdis „La Traviata“ eröffnet. Die Premierenkritik:

Das Hochwasser läuft langsam ab, die Lage am Chiemsee beruhigt sich. Wo sich vor wenigen Tagen noch Kuhweiden in Seen verwandelt haben, pendeln jetzt Shuttlebusse nach Gut Immling, wo am Samstag das 17. Opernfestival mit der Premiere von Giuseppe Verdis „La Traviata“ eröffnet wurde.

„Land unter!“ heißt es auch für Verdis schwerkranke Protagonistin, die Mätresse Violetta. Von der feinen Pariser Gesellschaft geächtet, findet sie die wahre Liebe und kurz darauf den Tod. Die Münchner Regisseurin Waltraud Lehner konserviert den berührenden Stoff nach Alexandre Dumas’ „Kameliendame“ in einer zeitlos schlichten Inszenierung. Überdimensionale Türelemente und graue Polstermöbel bilden die Kulisse, bereichert um gut platzierte, moderne Accessoires: Stroboskoplicht und mondäne Jünglinge symbolisieren die Ausschweifungen der Pariser Halbwelt im ersten, Pizzaschachteln das vergängliche Glück im zweiten Akt. Die Glatze der vom Tod gezeichneten Violetta symbolisiert Krebs anstelle von Tuberkulose und verlegt damit die Angst vor einer tödlichen Krankheit in unsere Zeit.

Die Besetzung ist schlicht grandios. Die rotmähnige Römerin Sonia Ciani ist als Violetta nicht nur äußerlich, sondern insbesondere auch stimmlich hinreißend. Ähnliches gilt für ihren Partner Fulvio Oberto als Alfredo Germont. Als schönes, musikalisch wie schauspielerisch überzeugendes Paar bilden sie das Herz der Inszenierung. Ihre Arien werden in der ausverkauften und zum Saal umfunktionierten ehemaligen Reithalle mit frenetischem Zwischenapplaus gefeiert. Er gilt auch Bariton Adrian Marcan als Alfredos zunächst verbohrter, dann reuiger Vater Giorgio. Die Münchner Symphoniker flankieren die Solisten über weite Strecken souverän.

Der besondere Reiz des Opernfestivals auf Gut Immling gründet auf der familiären Atmosphäre. Intendant Ludwig Baumann und die musikalische Leiterin Cornelia von Kerssenbrock bilden den konstanten Kern des Festivals. Mit dem Engagement von Regisseurin Waltraud Lehner liegen die künstlerischen Schlüsselpositionen in weiblichen Händen. Dirigentinnen wie Kerssenbrock, die ohne großes Getue, engagiert, aber unaufgeregt durch die Musik führt, machen den „zweiten Grünen Hügel Bayerns“, wie Staatsminister Wolfgang Heubisch das Opernfestival lobt, zu einem Bayreuth der anderen Art.

Im Gegensatz zum fränkischen Original ist die Atmosphäre im Chiemgau gelöst und kaum hermetisch. Der Weg zum abgelegenen Gutshof ist umständlich, der Blick berauschend. Beides gehört zum Programm und dem besonderen Charme der Veranstaltungen, die mit musikalischer Qualität zu einem überzeugenden Gesamtpaket geschnürt werden. Wer einen sommerlichen Ausflug ins Voralpenland mit einem Opernbesuch der besonderen Güte verbinden will, ist auf Gut Immling gerade richtig.

Anna Schürmer

Weitere Vorstellungen

am 21., 28. Juni, 7., 21., 28. Juli, 3. und 10. August; Telefon 08055/ 90 34 0. Das weitere Programm des Festivals gibt es im Internet unter www.gut-immling.de.

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