Der Sänger Günther Groissböck im Porträt.
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Als „Vernunftentscheidung“ sieht Günther Groissböck seinen überraschenden Rückzug. Der neue „Ring“ muss nun ohne ihn auskommen.

BAYREUTHER FESTSPIELE: „Parsifal“ 2023 mit Computerbrillen

Ein leises Servus: Günther Groissböck sagt den Wotan in Bayreuth ab

  • Markus Thiel
    VonMarkus Thiel
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Am Sonntagabend starten die Bayreuther Festspiele mit der Neuinszenierung von „Der fliegende Holländer“. Bereits am Vortag lud Festspielchefin Katharina Wagner zur Pressekonferenz.

  • Günther Groissböck wollte 2022 in Bayreuth als Wotan debütieren.
  • Nun hat der Sänger seinen Auftritt im „Ring des Nibelungen“ abgesagt.
  • Grund: Die Corona-bedingte Zwangspause habe sich zu stark auf seine Stimme ausgewirkt.

Geplant war dieses Rollendebüt als Karriere-Höhepunkt. Seit Jahren bereitet sich Günther Groissböck auf den Wotan im „Ring des Nibelungen“ vor. Es war quasi das gemeinsame Projekt von ihm und Festspielleiterin Katharina Wagner. Nun wurde die Notbremse gezogen. Der 44-Jährige sagte nicht nur die „Walküre“ bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen ab. Die ist in einer Bebilderung von Aktionskünstler Hermann Nitsch eine Art Probelauf für den „Ring“ 2022 in der Regie von Valentin Schwarz. Was schwerer wiegt: Mit Groissböck ist als Wotan dort überhaupt nicht mehr zu rechnen. Vorerst.

Günther Groissböck spricht von einer „Vernunftentscheidung“

Wer sich am Grünen Hügel umhört, erfährt: kein Skandal, Entwarnung. Während der Proben lief nicht alles gut für den Österreicher. Zu stark habe sich die Zwangsverstummung während der Lockdowns auf seine Stimme ausgewirkt, heißt es. Es gab große Nervosität, auch auf Seiten der Festspielleitung. Zudem war da ein heftiger Probenplan: Schon am Tag nach der „Walküre“-Generalprobe war ein „Siegfried“-Durchlauf als Vorprobe für 2022 angesetzt.

Groissböck selbst spricht gegenüber unserer Zeitung von einer „Vernunftentscheidung“ und schwierigen Corona-Monaten. Die übrigen Bayreuth-Einsätze hat der Bassist nicht abgesagt. So ist er zum Beispiel am kommenden Dienstag in der Wiederaufnahme des „Tannhäuser“ als Landgraf zu erleben. Bei den drei diesjährigen „Walküren“ vertritt ihn nun Tomasz Konieczny.

Jay Scheib inszeniert 2023 den „Parsifal“ auf dem Grünen Hügel

Damit hat die Wotan-Aufregung der Premiere von „Der fliegende Holländer“ am Sonntagabend ein wenig die Schau gestohlen. Ebenso eine Personalie, die die Festspielleiterin für 2023 bekannt gab. Dann wird der US-Amerikaner Jay Scheib den „Parsifal“ inszenieren. Und dies mit Mitteln der „Augmented Reality“. Im Publikum werden dazu Computerbrillen verteilt. Wer sie aufsetzt, sieht virtuell erzeugte szenische Elemente, diese sollen die Aufführung ergänzen. Man könne, so versicherte Katharina Wagner, die Brille aber auch unbenutzt lassen und sich „nur“ die Live-Aufführung gönnen. Wer diesen „Parsifal“ dirigiert, ist noch offen. Ursprünglich war Christian Thielemann geplant. Damit hätte er alle in Bayreuth gespielten Wagner-Opern jeweils in einer Premiere betreut. Was fix ist: Die Titelrolle übernimmt Joseph Calleja, bislang fast ausschließlich im italienischen Fach aktiv. Ekaterina Semenchuk ist die Kundry, Georg Zeppenfeld schultert erneut den Gurnemanz.

Schon in diesem Jahr ist Regisseur Scheib, Professor am Massachusetts Institute of Technology, in Bayreuth aktiv. Um die Nitsch-„Walküre“ herum gibt es Aktionen mit den übrigen „Ring“-Teilen. Scheib ist für „Siegfried“ zuständig. Auf dem Platz vor dem Festspielhaus können alle, die sich vorher angemeldet haben, mit einer Virtual-Reality-Brille als Germanenheld gegen einen Drachen kämpfen. „Es ist wild“, kommentierte Scheib sein Projekt.

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