Bayreuther Festspiele: Knallharte Machtpolitik im rosaroten Licht

Bayreuth - "Ein leises Lob" gebühre den Halbschwestern, formulierte es gestern Bayerns Kunstminister Thomas Goppel. Und Karl Gerhard Schmidt, zur Bewährungsstrafe verurteilter Vorsitzender der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth", hofft schon, Ende April könne im Stiftungsrat eine Wahl in Sachen Festspielleitung stattfinden.

Tief rosarot ist das Licht also, in dem sich gerade die Nachfolgedebatte abspielt. Vergessen wird bei allem Entzücken über die vermeintliche Einigung von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, dass es sich hier weiterhin um knallharte Interessenpolitik handelt. Es geht also nicht nur um Konzepte oder Familienzusammenführung, sondern - da schlägt das Wagner-Gen durch - um die Macht.

Wie Goppel bestätigte, liegen dem Stiftungsrat zwei Bewerbungen vor: eine von Katharina Wagner gemeinsam mit Christian Thielemann und Peter Ruzicka, eine weitere von Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner. Dass sich nun Letztere durch den Frontwechsel von Eva Wagner-Pasquier ausgebootet fühlt, ist also nachvollziehbar. Sind damit beide Konzepte plötzlich reif für den Papierkorb?

Durchaus denkbar ist, dass das mögliche Tandem Katharina/ Eva nicht nur dank persönlicher Zuneigung, sondern auch auf äußeren Druck zusammenfindet. Denn noch immer ziehen große Teile des Stiftungsrats Eva Wagner-Paquier ihrer Halbschwester vor. Außerdem wurde mit dem zusätzlichen Finanzbedarf der Festspiele ein probates Mittel gefunden, die Position des Festspielleiters Wolfgang Wagner weiter zu schwächen und ihn zum Einlenken zu bewegen.

Deutlich wird angesichts dieser Entwicklung, dass das Triumvirat Katharina Wagner/ Thielemann/ Ruzicka ein reichlich brüchiges Konstrukt ist. Ruzicka gibt im persönlichen Gespräch freimütig zu, er komme sich ohnehin nur wie eine Art Berater oder Nothelfer vor. Sollten sich neue Lösungen abzeichnen, sei er der Erste, der sich zurückzieht.

Und Thielemann, an dem in der aktuellen Wagner-Szene ohnehin kein Weg vorbeiführt und der sich gestern nicht äußern wollte, wird "naturgemäß" in Bayreuth eine Rolle spielen. Ob als Chefdirigent oder häufiger Gast. Möglich ist auch, dass Katharina Wagner (29) aus ganz anderen Erwägungen die Nähe zu ihrer 34 Jahre älteren Halbschwester sucht. Irgendwann, so könnte sie kalkulieren, bliebe sie ja allein zurück...

Toni Schmid, Vorsitzender des Stiftungsrates, versuchte erst einmal, die Erwartungen zu dämpfen: Das Zusammentreffen am 29. April werde "sicher nicht die alles entscheidende Sitzung, auf der die Nachfolge festgelegt wird". 

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