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Dirigent Andris Nelsons

Bayreuther Festspiele: „Lohengrin“ zum Start einer neuen Ära

Bayreuth - Ratten, alles voller Ekelgetier. Und der Schwan? Taucht auch auf, allerdings mit Sarg:

Was steht auf dem Spielplan?

Eröffnet werden die Festspiele am 25.7. mit der Neuinszenierung des „Lohengrin“. Zum letzten Mal wird in diesem Jahr der „Ring des Nibelungen“ in der umstrittenen Inszenierung von Tankred Dorst gezeigt. Was auch bedeutet: Zum letzten Mal ist dort das „Ring“-Dirigat von Christian Thielemann zu erleben. Wiederaufgenommen werden auch der gefeierte „Parsifal“ (Regie: Stefan Herheim; Dirigent: Daniele Gatti) sowie „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Katharina Wagner, Sebastian Weigle).

Übertragungen auf BR Klassik

Wagner-Fans, die kartenlos geblieben sind, können zumindest per Radio am Hügel-Geschehen teilnehmen. BR Klassik überträgt am 25.7. die „Lohengrin“-Premiere ab 16 Uhr, ab 15.05 Uhr gibt es das Magazin „Auftakt in Bayreuth“. Die weiteren Termine: „Rheingold“ am 27.7. (17.57 Uhr), „Walküre“ am 3.8. (18.05 Uhr), „Parsifal“ am 7.8. (18.05 Uhr), „Siegfried“ am 10.8. (18.05 Uhr), „Meistersinger“ am 14.8. (18.05 Uhr), „Götterdämmerung“ am 17.8. (18.05 Uhr).

Viel dringt nicht aus Bayreuths heil’gen Hallen über die Neuinszenierung des „Lohengrin“, mit der die Festspiele am kommenden Sonntag eröffnet werden. Da halten es die Halbschwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier mit ihrem verstorbenen Vater Wolfgang Wagner: Die Premiere gilt als Staatsgeheimnis. Szenenfotos dürfen frühestens am Erstaufführungstag veröffentlicht werden, alle Beteiligten wird ein Schweigegelübde auferlegt.

Fest steht jedoch: An dieser Inszenierung werden Wagnerianer einiges auszubuhen haben. Verantwortlich ist nämlich Hans Neuenfels, dessen querständige, vielfach gehaltvolle Lesarten seit Jahrzehnten heftige Debatten entfachen. Der 69-Jährige, welch Ironie der Besetzungspolitik, ist ein Hügel-Debütant. Wie sich überhaupt dieser „Lohengrin“ mit lauter Neulingen schmückt: Für Dirigent Andris Nelsons ist diese Produktion der erste Streich im sagenumwobenen Graben. Annette Dasch (Elsa) ist erstmals in Bayreuth zu erleben, ebenso wie Jonas Kaufmann (Lohengrin) – und beinahe auch der Italiener Lucio Gallo, der als Telramund vor einigen Tagen aber durch den bewährten Hans-Joachim Ketelsen ersetzt wurde.

Diesem „Lohengrin“ kommt in der Bayreuther Geschichte dabei eine besondere Bedeutung zu. Erstmals zeichnen die Festspielleiterinnen nämlich verantwortlich für eine Premiere. Die Zeit nach der Ära des ewigen Prinzipals Wolfgang Wagner bricht also erst am kommenden Sonntag an. Und auch die darauf folgenden Jahre schmecken nach Aufbruchsmut und -wut: Thomas Hengelbrock, Experte vor allem für Alte Musik, dirigiert 2011 den neuen „Tannhäuser“, Regie führt Sebastian Baumgarten. 2012 folgt dann ein „Fliegender Holländer“ in der Inszenierung von Sebastian Nübling, bei dem Wagner-Recke Christian Thielemann im Graben steht, bevor 2013 zum 200. Komponisten-Geburtstag der neue „Ring des Nibelungen“ wieder einem, wenn auch Wagner-gestählten Debütanten anvertraut wird: Kirill Petrenko. Regisseur? Sollte längst bekannt sein. Wieder so ein Staatsgeheimnis.

Markus Thiel

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