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Die Solisten haben Spaß (v. li.): Iain Paterson als Wotan, Albert Dohmen als Alberich mit der Tarnkappe und Roberto Sacca als Loge.

Frank Castorfs Regie-Overkill

Bayreuther Festspiele: Räuber und Schandi im Motel

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Bayreuth - Bei den Bayreuther Festspielen wurde Frank Castorfs „Rheingold“-Inszenierung unter dem Dirigat von Marek Janowski wiederaufgenommen.

Wenn die medial umtanzten Stars schwächeln oder keine Lust mehr haben, dann müssen die Handwerker ran. Was ja, beim Bayreuther „Parsifal“ war das gerade zu erleben, dank Hartmut Haenchen die Festspiele in ungeahnten Schwung versetzen kann. Auch Marek Janowski, für Kirill Petrenko beim vierten Durchgang des aktuellen „Ring des Nibelungen“ geholt, ist seit Jahrzehnten tief in der Materie drin. Wie im Falle Haenchen erstaunt seine Verpflichtung aus einem Grund: Der Mann hätte hier schon längst dirigieren müssen. Dass man Janowskis Kapellmeisterqualität im eröffnenden „Rheingold“ (noch) nicht ganz hören kann, dass es eine merkwürdige Unentschiedenheit gibt, auch Abstimmungsprobleme und Unkonzentriertes, all das ist angesichts dieses „Elder Statesman“ aus guten alten Maestro-Zeiten dann doch eine Überraschung.

Noch immer hat Janowskis Dresdner Platten-„Ring“ aus den Achtzigerjahren Referenzstatus. Einfach, weil er zu den blechgepanzerten Konkurrenzdeutungen einen samtigen, kammermusikalischen Gegenentwurf bildet. In Berlin, bei seinem Radio-Symphonieorchester, hat der heute 77-Jährige seiner Interpretation einige Facetten hinzugefügt, dabei stärkere Farben aufgetragen. Und auch jetzt in Bayreuth gibt es Schönes zu hören. Abtönungen im Lyrischen, ein paar Zuspitzungen, besonders den raschen, nie gehetzten Grundpuls. Und doch mag sich das alles nicht zueinanderfügen, bleibt Augenblickskunst. Wobei die Lässigkeiten im Verzahnen mit der Bühne nicht allein Janowski anzulasten sind. Frank Castorfs Regie-Overkill treibt die Sänger in die Dauerbeschäftigung – und weg von der Präzision.

Viele Sänger dieses Jahr sind neu

Was man dem Berliner Volksbühnenchef zugute halten muss: Die Solisten haben Spaß. Neureiche Ludentypen, die im Golden Motel an der Route 66 ihr Räuber-und-Schandi-Spiel treiben, einmal einen auf B-Movie machen, das weckt offenbar sonst nie genutzte Darstellerkräfte. Einen kleinen Spielverderber gibt es auch. Albert Dohmen als Alberich macht eher widerwillig mit – ohnehin ist er mit seinem ausgreifenden Heldenbariton, der mehr nach Wotan als nach Zwergenführer tönt, leicht fehlbesetzt.

Viele Sänger, auch das eine Besonderheit dieses Bayreuther „Ring“-Jahres, sind neu. Iain Paterson ist nur als „Rheingold“-Wotan aktiv, bringt dafür den passenden vokalen Granit mit. Roberto Saccà stehen alle Loge-Lagen zur Verfügung, er ist auch ein guter Typ für die Nahaufnahmen der omnipräsenten Kamera, bleibt in der Intonation aber diffus. Sarah Conolly als Fricka wird im Dauergewusel, obgleich stimmschön gestaltend, etwas weggeblendet. Tansel Akzeybek singt den Froh mit leicht fachfremder, frischer Pedrillo-Stimme. Karl-Heinz Lehrer ist als cooler Fafner eine ideale Ergänzung zum lässigen, leicht reizbaren Fasolt-Malocher von Günther Groissböck, der bereits in der Premiere dabei war. 

Schluffige Komödiantik - steht dem "Rheingold" gar nicht schlecht

Ebenfalls im Castorf-Team schon länger akkreditiert: Markus Eiche, der in seinen kurzen Soli und als fieser Edel-Cowboy dem Donner erhebliches Format gibt. Den größten Sängerapplaus räumt Nadine Weissman als pelzbemäntelte Diven-Erda ab – auf den ausgedehnteren Einsatz ihrer Stimme im „Siegfried“ darf man sich schon freuen.

Ganz demonstrativ brüllte ein Castorf-Fan sein „Bravo“ fast in den Schlussakkord hinein. Dem „Rheingold“, das war schon bei der Premiere so, steht die schluffige Komödiantik gar nicht schlecht. Kleine Details sind neu, auch ein Flattermann: Panisch kreiste eine Fledermaus während der Aufführung durchs Haus, am Ende machte ein Teil der Videowand schlapp. Manchmal kommen kleine Freuden ganz unverhofft.

Karten

gibt es im Ticketshop der Bayreuther Festspiele

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