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Ankunft auf dem Roten Teppich zur Premiere der 99. Bayreuther Festspiele.

Bayreuther Festspiele: Buh-Rufe zur Premiere

Bayreuth - Zum Auftakt der 99. Bayreuther Festspiele gab es eine Liebeserklärung bei der Pressekonferenz und heftige Buh-Rufe bei der „Lohengrin“-Premiere. Auch ein Streit überschattet die Veranstaltung.

Wenn sich schon Schwanenritter und Jungfrau nicht finden: Ein neues Paar gibt es am Hügel trotzdem. „Ich bin verliebt“, sagt Dirigent Andris Nelsons. „In dieses Haus und auch in Hans Neuenfels.“ Eine ganz „furchtbare, grauenhafte Geschichte“ sei das, kommentiert der Regisseur lächelnd. „Und sie hat, wie bei ,Lohengrin‘, leider keine Folgen.“ In Bayreuth also alles eitel „Glanz und Wonne“, wie der Ritter singt?

Zumindest bei der gestrigen Jahres-Pressekonferenz, elf Stunden vor einer heftig ausgebuhten Premiere. Ratten als „Lohengrin“-Personal, das romantische Märchen als Laborversuch, das ging nicht nur orthodoxen Gala-Gästen zu weit. Doch auch sonst braut sich in Oberfranken einiges zusammen. Es gibt Streit mit der „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“, mit jener Mäzenatenvereinigung, die in den vergangenen Jahrzehnten, also zu Wolfgang Wagners Zeiten, auf kurzen Zuruf stets Riesenbeträge zur Verfügung gestellt haben.

Gründung einer zweiten Fördergesellschaft

Seit dem Bayreuther Neustart mit den Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier hat sich jedoch die Organisationsstruktur geändert. Die „Freunde Bayreuths“ dürfen nun ein gewichtiges Wort bei der Planung mitreden - und haben jetzt, als Katharina Wagner um Geld für eine neue, dringend notwendige Probebühne bat, erst einmal gebockt. Alles sei „bürokratischer“ geworden, kritisierte Katharina Wagner gestern. Überdies gebe es unter den Förderern „einige Querelen“.

Doch Katharina Wagner wäre nicht die listige Tochter ihres Vaters, wenn sie nicht schon einen Ausweg gefunden hätte: die Gründung einer zweiten Fördergesellschaft mit dem frechen und bezeichnenden Namen „Taff“ - was steht für „Team der aktiven Festspielförderer“. Ein Konkurrenzunternehmen also, das den Schwestern wohlgesonnener ist, das wie die „Freunde Bayreuths“ womöglich sogar Kartenkontingente bekommt - und das ein prominentes Mitglied vorzuweisen hat: Christian Thielemann. Geld braucht Bayreuth dringender denn je, gerade mit Blick auf 2013, wo am Hügel der 200. Geburtstag des Meisters gefeiert wird.

„Wagner für Kinder“

Da wird nicht nur ein neuer „Ring“ herauskommen (den Kirill Petrenko dirigieren soll, für den aber noch immer keine Verträge unterzeichnet worden sind). Da wollen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier auch die drei Frühwerke ihres Urgroßvaters herausbringen, die bislang noch nie in Bayreuth gespielt worden sind: „Die Feen“, „Liebesverbot“ und „Rienzi“. Nicht im Festspielhaus, das dem heiligen Stücke-Kanon vorbehalten ist, sondern, wie Katharina Wagner andeutete, eventuell in einem Zelt irgendwo im Stadtgebiet. Dirigieren soll den „Rienzi“ Christian Thielemann, der Rest steht noch in den Sternen.

Eine kleine Erfolgsgeschichte mit bester Prognose ist „Wagner für Kinder“. Vergangenes Jahr gab’s eine Mini-Fassung des „Fliegenden Holländer“, heuer traute man sich an den sündigen „Tannhäuser“. Angesichts der Zielgruppe naturgemäß kein Drama um brünstige Minne, sondern umgemodelt auf Szenen aus einem Internat: Der Titelheld im T-Shirt verlässt die brave Erstfreundin (Elisabeth) zugunsten der schrillbunten Zweitfreundin (Venus), mischt mit seiner neuen Vorliebe die Schulgesellschaft um den würdigen Rektor kräftig auf und wird zur Strafe ins Ausland verbannt.

Am Ende ein Happy End

Am Ende kein Erlösungspathos samt toter Elisabeth, sondern ein Happy-End: Die riesigen Türen der Probebühne öffnen sich, geben den Blick frei aufs Festspielhaus, und die Meute stürmt von dannen. Man amüsiert sich und staunt: Alle dramatischen Handlungsverläufe und Hintergründe sind auch in der Mini-Fassung da, werden verständlich aufgearbeitet. Keine Parodie, kein Kasperltheater, sondern eine liebenswerte, klug angerichtete Charme-Offensive von Reyna Bruns (Regie) und Hartmut Keil (Dirigent), bei der auch noch hervorragend gesungen wurde. Deutschromantische Schwergewichte, so Bayreuths Beweis, funktionieren also als Kindertheater genauso wie die „Zauberflöte“. Vielleicht sogar der „Ring“?

Für die große „Ring“-Lösung 2013 hat übrigens „Lohengrin“-Verursacher Hans Neuenfels gestern, nicht ganz ernst gemeint, den Finger gehoben: Sollte der Vierteiler erstmals auf mehrere Regie-Teams aufgeteilt werden, würde man gern einen Beitrag dazu leisten. Welcher Teil, das sei freilidch gleichgültig. „Es soll nur nicht heißen, wir hätten nichts gesagt.“

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