Ein Bayreuther "Lohengrin" aus dem Jahre 1959

- Früher war alles besser? Mag das auch mancher aus der jüngeren Generation nicht mehr hören können: Ab und zu erscheinen dann doch CDs, die den Seufzer auf entwaffnende Weise rechtfertigen. Wie zum Beispiel jetzt eine Aufnahme aus dem reichhaltigen Archiv des Bayerischen Rundfunks - ein Mitschnitt des Bayreuther "Lohengrin" vom 4. August 1959. Im Mittelpunkt stand damals Sandor Konya, ein zu Unrecht von Plattenfirmen Vernachlässigter. Als Gralsritter hatte er alles, was man sich erträumt.

Noblesse des Tons, ein italienisch flutendes Legato, eine lyrisch grundierte Stimme, die sich heldisch weiten kann - ein Idealfall also, den man auf dem heutigen Opernmarkt vergeblich sucht, wo es zwischen keuschem Säusler und Power-Held kaum Mittelwerte gibt.

Auch die übrige Besetzung ist ein Fall für die Annalen. Vor allem, weil Konya und Kollegen eine offene, natürliche Stimmgebung pflegen, die ein Maximum an Textverständlichkeit ermöglicht - soll da noch ein heutiger Sänger behaupten, wegen des "Vokalausgleichs" oder einer angeblich notwendigen "Deckung" des Tons müsse die Diktion eben dran glauben. Der Hörer erlebt also die wunderbare Elisabeth Grümmer als innige, sehr "deutsch" timbrierte Elsa, einen kultivierten, anti-martialischen Franz Crass (König Heinrich), dazu Eberhard Wächter, der sich als Heerrufer nie verbrüllt, sondern der Partie Hauptrollen-Profil gibt. Ernest Blanc (Telramund) gestaltet so prägnant, dass man seinen französischen Akzent nicht überhören kann, Rita Gorr führt dazu ihr mächtiges Ortrud-Geschütz ins Feld.

Fast vergessen ist auch Dirigent Lovro von Matacic, seinerzeit Bayreuth-Debütant. Der Kroate erzielt mit dem Orchester eine große Flexibilität in Tempo und Dynamik. Wo es die Sänger brauchen, führt er sie einfühlsam und gibt ihnen Raum, bei monumentalen Passagen wird dann fast südländisch zugepackt. Dass dabei das Ensemble auch ins Straucheln gerät oder eine A-cappella-Stelle intonationsmäßig fast ins Bodenlose stürzt (Finale des ersten Akts), fällt nicht groß ins Gewicht. Dafür ist es ein Live-Mitschnitt. Und der transportiert eben einzigartige Bayreuther Atmosphäre - Hustensalven und übereifrige Souffleuse inklusive.

Richard Wagner: "Lohengrin". Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Lovro von Matacic; (Orfeo).

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