Augen geschlossen und mit viel Gefühl: B. B. King. Falke

B.B. King: Audienz beim König des Blues

München - Da hat sich ein ganz Großer die Ehre gegeben: B. B. King spielt und flirtet im ausverkauften Münchner Tollwood-Zelt. Lesen Sie hier die Konzert-Kritik.

Gewiss, mit gerade mal einer starken Stunde fiel die Audienz beim König des Blues verdammt kurz aus. Doch deswegen enttäuschte Pfiffe im mit mehr als 5000 Besuchern ausverkauften Tollwood-Zelt? Leute, der Mann ist 85 - und hat in München ein höchst unterhaltsames Konzert abgeliefert.

Denn B. B. King ist keiner, der seinen Ruhm verwaltet. Er folgt auf der Bühne dem Spaß-Prinzip - obwohl das Alter seinen Tribut fordert: Gehen und Stehen fällt dem Hochbetagten schwer, doch sein Hüftschwung kommt auch im Sitzen noch lasziv. Überhaupt flirtet King so ausgiebig und charmant mit den Damen im Publikum, als habe er sich in den Kopf gesetzt, seine Familie mit, round about, 15 Kindern nochmals zu vergrößern. So feiert King das Leben und den Blues wie eh und je: Aus dem eher überschaubaren Standard „Rock Me Baby“ (1964) macht er ein herrliches Mitsing-Epos. Und dem zu oft gehörten Gospel „When The Saints“ gibt er alle (Glaubens-)Kraft zurück, indem er ihn als Bluesrock spielt. Begleitet wird King von acht perfekt harmonierenden Musikern, die auf Fingerzeig des Meisters losstampfen mit der Beharrlichkeit eines Raddampfers auf dem Mississippi. Auf bald, B. B. King!

Übrigens: Die Ehre, den Auftritt der Legende vorzubereiten, erledigte Ana Popovic mitreißend. 1976 in Belgrad geboren, ist sie eine der besten Blues-Gitarristen ihrer Generation. Werte Tollwood-Macher, holt sie nächstes Jahr für einen eigenen Abend. Unbedingt! michael Schleicher

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