B.B. King in der Olympiahalle: Dank an den großen Geist

- "Morgen stehts in der Zeitung", unkt B.B. King. "Der alte B.B. war ziemlich gut - aber er hat den ganzen Abend gequatscht." Das Gesicht nimmt ernste Züge an, die Augen werden groß. "Das wäre das Ende meiner Karriere." Es ist nicht das erste Mal, dass B.B. King die Lacher auf seiner Seite hat an diesem Abend in der Münchner Olympiahalle. Die Blues-Legende, der große Überlebende einer Ära, ist auf Abschiedstour. Und dennoch herrscht hier keine Trübsal. Der 80-Jährige ist Unterhaltungsprofi, ob er nun "quatscht" oder Gitarre spielt.

Zunächst einmal aber lässt King auf sich warten, wie sich das gehört. Einzig seine gute alte Gitarre Lucille wölbt ihre schwarzen Rundungen im Scheinwerferlicht, während die B.B.-King-Bluesband, allesamt Herren im fortgeschrittenen Rentenalter, mit famoser Bläser-Section Fahrt aufnimmt, wie die Hölle swingt und das meiste, das sich sonst auf dieser Bühne tummelt, vergleichsweise aussehen lässt wie das Zeug beim Pfandleiher.

Die Pranken streichen über Lucilles Hals

Dann kommt der König im glänzenden schwarzen Anzug herein und nimmt Platz. Man fragt sich, ob der Entschluss, "den müsste man doch unbedingt noch mal sehen", nicht ein wenig voreilig gefasst war. Der Hälfte der Zuschauer scheint es ähnlich zu gehen, man klatscht arg brav. King hält sich die Hände ans Ohr und donnert: "I said good evening ladies and gentlemen!" Oha, alle Zweifel beseitigt, das hier wird nicht der Blues-Musikantenstadl. Sogleich lächelt der massige Mann wie ein guter Opa, seine Pranken streicheln über Lucilles Hals und entlocken dem Instrument sein typisches Singen. Die Linke schüttelt King beim Vibrato vielleicht nicht mehr ganz so lässig, aber ansonsten ist das hier feinstes Entertainment, erlernt in 60 Jahren auf Tour.

King röhrt sich durch Klassiker wie "The Thrill Is Gone" oder "Love Comes To Town" und fängt bei letzterem urplötzlich an, auf seinem Stuhl zu zappeln wie ein Junger. Man merkt, dass Blues vielleicht vom Baumwollpflücker-Klischee lebt, in Wahrheit aber schon immer Unterhaltungsmusik mit viel Slapstick war. "Frauen können so gemein sein", lamentiert der Senior und schnieft übers Klischee "Woke Up This Morning". Dazwischen erzählt B.B. King. Viele Witze über alte Herren, wie er selbst einer ist. "Eure Urgroßeltern haben schon von mir gelesen. Ihr habt mich 60 Jahre auf der Straße gehalten. Dafür sage ich Euch und dem großen Geist danke", ruft er. Fazit: Ein würdevoller Abschied. Der alte B.B. hat den ganzen Abend gequatscht. Und er war ziemlich gut.

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