B.B. räkelt sich im Sarg

- Gemütlich hat es Bertolt Brecht in seinem Sarg: Gelassen räkelt er sich inmitten seiner Bücher. Und tippt sich grinsend an den Kopf angesichts der aufgeregten Professoren über seinem Grab. Harald Kretzschmars Karikatur "Brechts Totsager" (2006) nimmt direkten Bezug zum Symposion der Internationalen Brecht-Gesellschaft, die jüngst im Augsburger Zeughaus zum Thema "Brecht und der Tod" tagte (anlässlich seines 50. Todestags am 14.8.06).

Ein Stockwerk tiefer, in der Toskanischen Säulenhalle, hängt Kretzschmars Federzeichnung in einer beachtlichen Ausstellung, die sich mit der bildkünstlerischen Reflexion Brechts und seiner Werke auseinandersetzt.

Mehr als die Hälfte der rund 500 Exponate in "Brecht in der Buchkunst und Graphik" - Porträts, Illustrationen, Improvisationen, zum Teil exquisite Raritäten - stammt aus der Jenaer Sammlung Volkmar Häußlers, die übrigen hat dieser in den Beständen der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg gesichtet. Zu sammeln hat Häußler in den 60er-Jahren begonnen. Zu den Theaterplakatentwürfen fürs Berliner Ensemble von Caspar Neher (seit den 20ern) und Karl von Appen (seit den 50ern) gesellte sich da etwa ein großformatiges Blatt zur "3 Groschen Oper" (1969) von Horst Janssen.

Auch Hans Tombrock, ein Freund Brechts, den dieser 1938 im Stockholmer Exil kennenlernte, beschäftigte sich mit dessen dramatischem Werk. Von ihm wird in Augsburg ein bisher unveröffentlichter Zyklus von Radierungen präsentiert. Aus der gewitzten Feder von Robert Gernhardt floss 1997 ein wunderbares karikaturistisches Doppelporträt: Der rauchende "Gottfried Benn liest Bertolt Brecht", und der rauchende "Bertolt Brecht liest Gottfried Benn": "Geschichtsoptimismus!", urteilt der eine, "Todessucht!" der andere.

In solch außergewöhnlicher Vielzahl und Vielfalt beweist "Brecht in der Buchkunst und Graphik" ein bis in die Gegenwart ungebrochenes Interesse an der Auseinandersetzung mit B.B. Zur Schau erschien nicht nur eine (österreichische) Briefmarke mit einer Federzeichnung von Hans Ticha, sondern zudem ein umfassender Katalog, "ein richtiges Nachschlagewerk zur Brecht-Rezeption in der Kunst" (Häußler), welches über die Augsburger Präsentation hinaus die Archiv-Bestände dokumentiert.

Eine lohnende Fleißarbeit für den Brecht-forschenden Häußler, der noch bis kurz vor Ausstellungseröffnung Zeichnungen erworben hat. Doch das Vorhandene ist dem passionierten Sammler nicht genug: So kommt es vor, dass er Künstlern Anregungen, etwa eine Keuner-Geschichte, für die grafische Beschäftigung mit Brecht gibt - ein aktiver Archivar als Auftraggeber.

Bis 3.9., Di., Mi., Fr.-So. 10-17 Uhr, Do. 10-20 Uhr, Zeugplatz 4, Tel. 0821/ 3 24 27 39; Katalog, Verlagsgemeinschaft Augsbuch: 19,90 Euro.

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