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Am 15. März wird Mike Love 75 Jahre alt.

"Ein unglaubliches Leben mit einer Menge Triumphen"

Sorglose Sommer: Beach Boy Mike Love wird 75

Los Angeles - Teenager-Mädchen kreischten sich die Stimmbänder wund, als Mike Love Anfang 1960 zum Gesang anhob. Nach fünf Jahrzehnten Beach Boys blickt er immer noch gern zurück auf die Zeit der „Good Vibrations“. Auch wenn mit Bandkollege Brian Wilson nicht immer alles rund lief.

Ein bisschen Knatsch gibt es dann vielleicht doch noch. Eigentlich hatte sich Beach Boy Mike Love mit Bandkollege Brian Wilson nach jahrelangem Zank ausgesöhnt. Aber wenn voraussichtlich im Sommer Loves Autobiografie „Good Vibrations: My Life as a Beach Boy“ erscheint, ist ein Schlenker zum kniffligen Verhältnis mit seinem Cousin fast unausweichlich. Und der werkelt seinerseits am Buch „I Am Brian Wilson“ - und dürfte darin seine eigene Version der Geschichte finden. Am Dienstag (15. März) wird Mike Love 75 Jahre alt.

„Es steckt so viel Arbeit darin zu schreiben“, klagte Love kürzlich. „Die Vergangenheit auf Gedeih und Verderb nachzuleben, ist nicht immer angenehm, aber nachdem alles gesagt und getan ist, gibt es viel mehr Dankens- als Beklagenswertes. Unsere Musik fünfeinhalb Jahrzehnte für Zuschauer rund um die Welt spielen zu können, ist wahrlich ein Segen und etwas, für das man dankbar sein sollte.“ Loves Gesang machte die harmonischen Hits wie „Good Vibrations“ und „California Girls“ und „Fun, Fun, Fun“ unverkennbar.

Selbst wenn mit Wilson nicht immer alles rund lief, scheint Love sich mit der Vergangenheit ausgesöhnt zu haben. Dabei hatte die Band auch Schicksalsschläge wegzustecken. Schlagzeuger Dennis Wilson ertrank 1983 unweit jener Strände, die ihn berühmt machten. Gitarrist Carl Wilson starb 1996 an Krebs. „Ich vermisse ihn sehr“, schrieb Love über seinen verstorbenen Cousin.

Vom Leben gezeichnet, aber auch stolz sah der in Los Angeles geborene Sänger und Texter der weltweit gefeierten Surfrocker aus, als er und die ergrauten „Boys“ Ende Februar mit der Goldenen Kamera für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden. Mit weißem Bart und schwarzer Baseballmütze, golden schimmerndem Sakko und dick bestückten Ringen an der Hand posierte er mit anderen Prominenten für die Kameras. Er sei immer wieder erstaunt, schrieb Love auf Facebook nach einer Show vor einer „sehr begeisterten Menge“ in Leipzig, wie gut die Musik in Ländern aufgenommen werde, wo Englisch nicht die Muttersprache ist.

Mehr als 5600 Konzerte in mehr als 25 Ländern hat Love heute hinter sich. Er ist das einzige Mitglied der Band, das durchgehend bei jeder Aufnahme, jedem Auftritt dabei war. Zwar ging er zusammen mit Al Jardine, Bruce Johnston und David Marks und eben auch Wilson 2012 auf Tour. Doch der alte Ärger kochte bald wieder hoch, und so entschieden die beide Musiker, getrennte Wege zu gehen - diesmal wohl endgültig. Von Wilson, der schon länger ohne die alte Truppe Musik veröffentlichte, erschien 2015 das Album „No Pier Pressure“.

Vielleicht war es neben den satten Einnahmen auch Loves spirituelle Seite, die ihn antrieb, die Band trotzdem fortzuführen. 1968 war er zusammen mit den Beatles nach Indien gereist, um bei Maharishi Mahesh Yogi die „transzendentale Meditation“ zu lernen, die in seinem Buch ebenfalls Thema sein soll. Eines Morgens, erinnerte Love sich im Jahr 2014, habe Paul McCartney beim Frühstück „Back in the USSR“ gesungen. Love habe ihm empfohlen, im Mittelteil über auch die Mädchen in Russland zu singen. „Moskauer Girls bringen mich zum Singen und Schreien“, heißt es heute in dem berühmten Song.

„Ich habe ein unglaubliches Leben mit einer Menge Triumphen gelebt, meinen Anteil an Herzschmerz und einige ziemlich erstaunliche Erfahrungen“, teilte Love bei Ankündigung seines Buches mit. Zeit für den Ruhestand ist deshalb noch lange nicht: Zwischen Mai und August touren die Beach Boys (ohne Brian Wilson) wieder quer durch die USA.

dpa

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