Da bebte es in den Herzen der Zuhörer

- Erst einmal musste klar gestellt werden, dass der "Ring des Nibelungen" nichts mit dem in China viel bekannteren "Herrn der Ringe" von Tolkien zu tun hat. So zeigte Dirigent Philippe Auguin Verständnis für den chinesischen Journalisten, der seine Frage vor der ersten Aufführung von Richard Wagners Tetralogie in seiner Heimat damit verteidigte, dass viele Chinesen spontan an den Hollywood-Streifen dächten. Nun, "der Name ist ganz ähnlich", räumte Auguin ein.

"Die Welt des Films möchte gerne so sein wie Wagner." Aber dann hatte Auguin auch genug. Seine Stimme wurde plötzlich entschieden: "Es hat nichts, nichts damit zu tun."

Unbedarfte Neugierige und echte Wagner-Kenner trafen sich zum Auftakt des "Ring"-Zyklus, den das Nürnberger Staatstheater nach Peking mitgebracht hatte. Das Werk wurde damit erstmals in Asien außerhalb Japans gezeigt. Mancher hatte für alle vier Abende Karten gekauft. Demgegenüber hatte eine Hand voll neureicher Chinesen, die vielleicht leichtere Kost erwartet hatten, nach gut einer Stunde genug. Ausgerechnet als sich in der Inszenierung von Stephen Lawless die Bühne in Gold hüllte, machten sie sich davon. Doch früher rausgehen und später kommen, das zeigt in China vielleicht Desinteresse, aber keineswegs Geringschätzung und ist in der Peking-Oper normal.

Am Ende des "Rheingolds" kannte die Begeisterung kaum Grenzen, als sich Jürgen Linn (Wotan), Arnold Bezuyen als Loge mit Punkfrisur, Andrea Baker (Fricka) und Anne Lünenbürger als Freia im Baströckchen verbeugten. "Diese außergewöhnlich großartige Truppe hat in den Herzen der Zuschauer ein Erdbeben ausgelöst", schrieb die "Beijing Times".

Nachhilfe in deutscher Kultur

Der gesungene Text lief übersetzt in chinesische Schriftzeichen auf einer Leuchttafel über der Bühne. Darauf hatte zuvor ein deutscher Pkw-Hersteller und Sponsor verkündet, nicht nur für den Antrieb für Autos, sondern auch für das Kulturerbe eintreten zu wollen. "Die Pekinger wissen viel über Autos, Bier und Produkte aus Deutschland, aber jetzt auch mehr über deutsche Kultur", sagte Dirigent Yu Long, der in Deutschland ausgebildete Leiter des Pekinger Musikfestivals. Und dass Wagner bis in die kommunistische Führung geschätzt wird, bewies Vizeministerpräsidentin Wu Yi, die sich mit anderen Spitzenpolitikern unauffällig unter das Publikum gemischt hatte.

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