Beckenbauer mit üppigen Frauen

- Die Gelegenheit ist günstig: Die bunte Vielfalt, die durch Münchens Galerien weht, fällt gerade auch von den Bäumen - Zeit für einen kleinen Spaziergang. Zum Beispiel zu den zwar schwarz-weißen, aber warmen Stimmungen auf den Aktfotografien Herlinde Koelbls. Üppige, natürliche Frauen und schlanke, gestählte Männer - die Schwabinger Galerie Dany Keller konfrontiert zwei Serien miteinander.

Koelbl, die in den letzten Jahren vor allem durch ihre Fotografien von Schlafzimmern und deutschen Politikern auf sich aufmerksam machte, zelebriert jeden Körper, entlockt ihm sein selbstverständliches Selbstbewusstsein. Sie setzt ihn in der Natur religiös-romantisch in Szene, sie macht ihn im Atelier zum dunkel-erotischen Sinnbild. Oder aber sie konzentriert sich ganz auf sein ästhetisches Material, etwa auf die Falten eines lang gewebten Lebens, die im Detail tatsächlich wie die Strickmuster eines Textils wirken. (Bis 5. November, Agnesstraße 47, tägl. n.V., 089/ 38 80 88 09.)

Zehn U-Bahn-Minuten südwestlich spielt ebenfalls ein Künstler mit Strukturen. Er hinterfragt nicht nur sein Modell, sondern thematisiert auch sein Medium. Volker Hildebrandt porträtiert "Global Players" - Weltpersönlichkeiten wie Franz Beckenbauer oder Albert Einstein, Mao oder Madonna. Die Arbeiten in der Jörg Heitsch Galerie haben ihren Ursprung in der Bildstörung des Fernsehens, in Tausenden von kleinen objektlosen Punkten. In deren malerischer Abbildung nähert sich Hildebrandt dem Pointillismus, in dem er bekannte Fotografien aufgreift, etwa die Fußballhelden von Bern. Eine andere Entwicklung, welche sich ebenfalls mit der Zerlegung von Medienbildern und der menschlichen Wahrnehmung beschäftigt, erinnert in der seriellen Vereinzelung eines Porträts an die Pop-Art Andy Warhols. Bei Hildebrandt jedoch lesen sich die unzähligen kleinen digitalen Bildchen wie ein Daumenkino. Von links oben nach rechts unten schlägt etwa Max Schmeling auf den Bildern von 1936 in der zwölften Runde Joe Louis k.o. (Bis 8. November, Reichenbachstr. 14, Telefon 089/ 26 02 29 65.)

Die Tram fährt den Galeriespaziergänger nun bis fast direkt zum entspannenden Bildensemble des Leipziger Künstlers Peter Krauskopf in der Walter Storms Galerie. Es sind zarte rosafarbige, dann wieder blockartige schwarze Horizonte, tief unten im Rechteck der Rahmen. Es sind Wolken- oder Gewitterbilder, unbestimmbare Wattelandschaften, hinter deren weißen Schleiern wohlbekannte Wattlandschaften sich zu verbergen scheinen. Diese "Luftbilder" kommen ans Licht, wenn Krauskopf mehrere auf spiegelglatten Oberflächen übereinander aufgetragene farbige Schichten aus Alkydharz mit der Schleifmaschine herausholt. "Archäologische Arbeiten" nennt der Künstler die in sich ruhenden, ja beinahe meditativen Entdeckungen, die er dabei macht. (Bis 29. Oktober, Ismaninger Str. 51, Tel. 089/41 90 28 28).

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