Vor Beethoven sind alle gleich

- Für Oboenspieler Meirav Kadichevsky bietet die Orchesterarbeit das erste Zusammentreffen dieser Art. "Ich hatte noch nie Kontakt zu Arabern", sagt der 25-jährige Israeli. "Ich habe entdeckt, dass wir viel gemeinsam haben, dass sie genauso sind wie wir." Kadichevsky ist einer von 80 israelischen und arabischen Musikern, die mit dem Jugendorchester "West-Östlicher Diwan" um kulturelles Verständnis werben.

<P>Zur Zeit proben sie nahe Sevilla, wo das Orchester seinen Hauptsitz hat. "Die Musiker kommen aus verschiedenen Kulturen. Aber wenn sie eine Symphonie von Beethoven spielen, sind sie alle gleich", sagt Dirigent Daniel Barenboim. Vor fünf Jahren hat er mit seinem Freund, dem palästinensischen Historiker Edward Said, das Orchester gegründet.</P><P>Acht bis zehn Stunden täglich üben die jungen Musiker, um sich auf ihre Konzerte in Andalusien, London, Rabat und Berlin vorzubereiten. Am 31. August wird das Orchester zum Tour-Abschluss gleich zweimal in der Berliner Staatsoper Unter den Linden zu hören sein. "Allein die Gelegenheit, mit Barenboim zusammenzuarbeiten, war Grund genug, dem Orchester beizutreten", sagt der Palästinenser Saleem Abboud Ashkar.</P><P>"Wir haben keinen politischen Plan", unterstreicht Barenboim. Einziges Ziel sei es, Araber und Israelis einander näher zu bringen, "das kann enorme Resultate bringen". Obwohl man viel miteinander diskutiert, steht der politische Austausch im Hintergrund. Die Teilnehmer interessieren sich vielmehr für die Kultur der musikalischen Mitstreiter. "In der Musik werden die Dinge ständig neu erfunden", sagt Barenboim. In der gleichen Art und Weise müssten sich Israelis und Araber neu erfinden und eine "Vision des Zusammenlebens" kreieren.</P>

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