Beethovens Neunte als Leichtgewicht

- Ein pikantes Duell wäre das geworden: Beethovens doppelte Neunte, zunächst mit dem Noch-Chef James Levine, zu Silvester dann mit seinem mutmaßlichen Nachfolger Christian Thielemann. Doch Levine erkrankte, wurde bei Münchens Philharmonikern von Oleg Caetani vertreten (Gasteig). Sein belangloses Brahms-Requiem beim Bach-Chor ließ Böses befürchten, aber zunächst Entwarnung: Der frühere Chemnitzer GMD steuerte im ersten Satz auf eine massige, gravitätische Deutung mit Tendenz zum Paukenkonzert zu. Erzromantisches, Erdenschweres, das dann freilich zum pauschalen, oft plänkelnden Schönklang verflachte.

<P>Und überraschend, wie oft sich Unsauberkeiten einschlichen - bei einem Orchester, das diese Symphonie glatt rückwärts musizieren könnte.</P><P>Am prägnantesten gelang das Molto vivace. Obwohl Caetani das folgende Adagio rasch nahm, schien die Musik zu stehen, schien das Ensemble Phrase für Phrase nur abzufertigen. Angenehm dagegen der Blick aufs Finale, in dem man sich vor Pathos-Gepränge hütete. Das indes birgt Gefahren: Was sich der Dirigent so schwebend leicht denkt, mutiert im Ergebnis oft zum Leichtgewicht. Auch Schönbergs einleitende Kammersymphonie krankte daran. Die dirigierte Caetani flott, machte sich dabei wenig Mühe, das Dickicht der Motivverschränkungen und Instrumentationsdetails zu lichten _ und erzielte eine Art neutönigen Rossini.</P><P>Großer Applaus nach beiden Werken, auch für den gewohnt souveränen Chor und die _ völlig übertriebene _ Solistenbesetzung mit Alexandra Deshorties, Magdalena Kozená´, Neil Shicoff und René´ Pape. Sollte jeder dieser Edel-Einkäufe für geschätzte viereinhalb Minuten Gesang volle Gage kassieren, müssten Budgetprüfer eigentlich hellhörig werden _ zumal die Stars ihre Mini-Auftritte verschleppten und Inhomogenes ablieferten. Das nächste Mal bitte Heinrich Schiff am ersten Cello und Anne-Sophie Mutter als Konzertmeisterin.<BR></P>

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