Verbotene Liebe: Lise (Ilana Werner) und der Bauer Colas (Luká Slavicky). foto: hösl

Begegnung mit einer alten Liebe

München - Das schlecht behütete Mädchen in München: Eine Kritik zur Wiederaufnahme von „La fille mal gardée“ bei den Opernfestspielen.

Gut 50 Jahre ist es her, dass Meisterchoreograph Frederick Ashton „La Fille mal gardée“, das schlecht behütete Mädchen, in dieser Form erfand. Was für ein helles, anachronistisches Vergnügen war das beim ersten (und auch noch zweiten, dritten) Sehen! Jahrelang stand es in verschiedensten Besetzungen auf dem Spielplan und wurde nun zu den Festspielen als letzter Teil der Saison „Very British“ wieder aufgenommen.

Mit dem Libretto und in der Choreographie von Jean Dauberval kam das Stück 1789 heraus. Viele große Ballerinen rissen sich um die Rolle der Lise, darunter Fanny Elssler und Anna Pawlowa. Die Handlung ist schlicht: Eine Mutter will die Liebe ihrer Tochter zum Bauern Colas verhindern und verspricht sie dem tölpelhaften Sohn eines Gutsbesitzers. Das Liebespaar weiß das bis zum Happy End zu verhindern. Ashton hat das Ganze in sein geliebtes Suffolk verlegt und dabei an das Landleben im Spätsommer gedacht. Es gibt viel fröhliches Volk, Hühner und ein (echtes) Pferd. Kinder können das mögen und humorvolle Erwachsene; Sechzehnjährige würden sich nicht ernst genommen fühlen. Aber wenn die feine Choreographie Ashtons bis aufs Jota erfüllt ist, wenn der Funke angelsächsischen Humors ein Funke bleibt und nie überdeutlich wird, wenn die paar Glanzrollen auch Glanz bekommen, dann können Tänze mit rosa Atlasbändern auch heute noch ihren Charme haben. So leicht war aber gerade das nicht. Da verwickelte sich beim Liebespaar Ilana Werner (gerade zur Solistin ernannt) und Luká Slavicky so manches und kam nur im letzten Moment noch in Ordnung. Sie kann auf ihre leichte Elevation bauen, er auf Präsenz und Sprungkraft. Die Hauptfiguren sind bei „La Fille“ ohnehin die Rockrolle der Witwe Simone und der schüchterne Tölpel Alain, ein Bruder Wenzels aus der „Verkauften Braut“. Dem langen dünnen Cyril Pierre gehört nun der unwiderstehliche Holzschuhtanz – leider (noch?) nicht ganz präzise im Rhythmus. Ein wenig mehr an innerer Fülle dürfte Pierre noch zuwachsen, damit er nicht mehr übertreiben müsste. Ilia Sarkisov hatte das Glück, von Ferenc Barbay, einem seiner unvergesslichen Vorgänger in der Rolle, Tipps für den Alain zu bekommen. Er legt ihn akrobatisch witzig hin und hält immer die Sympathien des Publikums. Rundherum, gleichsam auf Sommerurlaub in Suffolk: Likas Luxustruppe, überdröhnt von den Münchner Symphonikern unter Myron Romanul.

Beate Kayser

Nächste Vorstellungen

am 8.7. (15 Uhr und 19.30 Uhr) und am 11.7. (19.30 Uhr), dann wieder ab Januar 2013. Karten unter der Telefonnummer 089/21 85 19 20.

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