Begeisterte Kinder

Tag der offenen Tür der BR-Symphoniker: - Keine Uraufführung, dafür aber eine Premiere der anderen Art feierte das Symphonieorchester des BR am Wochenende mit seinem ersten Tag der offenen Tür, den man mit dem Motto "Tempo!" überschrieben hatte. Und Tempo musste man auch selbst ganz schön vorlegen, wollte man das umfangreiche Programm voll ausnutzen. So drängten sich bereits eine Stunde vor Beginn die ersten Besucher in der Eingangshalle der Residenz, wo an diesem Tag Ausnahmezustand herrschte.

Denn nicht allein im Herkulessaal gab es da Musik zum Nulltarif zu erleben, auch die übrigen Räume inklusive dem Treppenhaus wurden nahezu rund um die Uhr bespielt. Und dort wo gerade mal kein Konzert stattfand, gab es Gelegenheit das Orchester beim Proben zu belauschen, mit Instrumentenbauern zu plaudern oder sich selbst an Geige und Saxophon zu versuchen.

Extra Punkte dürfte man mit diesem Tag wohl aber vor allem beim jungen Publikum gesammelt haben, das an Aktionen wie dem Schlagzeug-Workshop natürlich seine besondere Freude hatte. Auf die Frage, ob sie später auch mal Musiker werden wollen, kommt zwar oft nur ein schüchternes Schulterzucken, bei vielen aber auch ein begeistertes Ja. Mitten drin im Geschehen war ebenfalls Chefdirigent Mariss Jansons, der nicht nur mehrere umjubelte Konzerte bestritt, sondern sich ganz selbstverständlich auch die Zeit nahm, um kurz bei der Kinder-Werkstatt vorbeizuschauen. Womöglich sogar um sich selber ein paar Tipps zu holen.

Denn noch bevor der Dirigent am Abend den Taktstock zu Honeggers "Pacific 231" heben konnte, bastelten die kleinen Komponisten hier schon an ihrer ganz eigenen Version dieser musikalischen Eisenbahnfahrt, die mit raschelnden Tüten, Töpfen und anderen tönenden Haushaltsgeräten untermalt wurde. Und wer weiß, vielleicht entscheidet sich ja mancher, der bis dato Lokführer werden wollte, nach dieser Erfahrung doch noch für einen musikalischen Beruf.

Jansons hat diese Wahl auf jeden Fall nicht bereut, denn "wenn ein Lokführer einschläft, dann gibt es eine Katastrophe, aber wenn ich als Dirigent einschlafe, findet mein Orchester auch allein nach Hause oder wenigstens bis ans Ende der Notenzeile." Der Beweis für diese gewagte Theorie folgte dann auch prompt beim abendlichen Konzert, als Jansons zur Haydn Serenade auf einmal selbst als Zuhörer Platz nahm und das Arbeiten seinem Ensemble überließ. Lieber ist es beiden Seiten dann aber wohl doch, wenn der Maestro am Pult steht, denn in der Kombination war man an diesem Tag wirklich nicht zu schlagen.

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