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„Ich bin eine kleine Draufgängerin“: Gemma Arterton mit Jake Gyllenhaal im Abenteuermärchen „Prince of Persia“.

"Beim richtigen Kuss war die Luft raus"

München - Sie hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt: Gemma Arterton (24) hat schon James Bond den Kopf verdreht. Im Merkur-Interview spricht sie zum Kinostart über ihren neuen Film "Prince of Persia" und Küsse mit dem Hauptdarsteller.

Aufgewachsen als Tochter einer alleinerziehenden Putzfrau im Südosten Englands, ergatterte Gemma Arterton ein Stipendium für die Königliche Schauspielschule in London. Nach ihrem Abschluss setzte sie sich gegen 1500 Konkurrentinnen durch und durfte als Bond-Girl in „Ein Quantum Trost“ Daniel Craig den Kopf verdrehen.

Seit fünf Wochen ist sie im Actionspektakel „Kampf der Titanen“ auf der Leinwand zu sehen. Am Donnerstag läuft bereits der nächste Blockbuster mit ihr in der Hauptrolle an: Im Abenteuermärchen „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ spielt sie an der Seite von Jake Gyllenhaal eine ebenso schlagfertige wie schlagkräftige Prinzessin. Im Gespräch wirkt die 24-Jährige erfrischend ehrlich, herzlich und natürlich: Sie lacht viel und dreckig – und redet Klartext.

Mögen Sie es, wenn man Sie „Bond-Girl“ nennt?

Es nervt mich, wenn man in mir ausschließlich das Bond-Girl sieht. Leute, die das tun, sollten sich vielleicht ein bisschen Fantasie besorgen – immerhin habe ich seither in sechs ganz unterschiedlichen Filmen gespielt. Aber im Prinzip bin ich stolz auf den Titel. Ich finde es cool, dass meine Enkel einmal sagen können: „Stell’ dir vor, unsere Oma war ein Bond-Girl – auch wenn man’s heute gar nicht mehr glauben mag!“

Wie haben Sie es eigentlich geschafft, beim Vorsprechen für „Prince of Persia“ so berühmte Kolleginnen wie Scarlett Johansson und Keira Knightley auszustechen?

Ich fürchte, ich bin beim Casting oft besser als später am Set. Beim Vorsprechen geht alles ruck, zuck – da habe ich keine Zeit zum Grübeln. Das liegt mir, weil ich eine sehr impulsive Schauspielerin bin. Im Übrigen versuche ich in jedem Casting einfach, ich selbst zu sein. Beim Vorsprechen für „Ein Quantum Trost“ habe ich zum Beispiel eine freche Bemerkung über Daniels Körpergröße gemacht. Zum Glück kann er über sich selbst lachen.

Wen haben Sie lieber geküsst – Daniel Craig oder Jake Gyllenhaal?

Mit Daniel war es aufregender. Unsere Liebesszene wurde nämlich an meinem allerersten Tag gedreht. Ich fand Daniel umwerfend in „Casino Royale“ – und plötzlich sollte ich ihn küssen! Er hat mich völlig überrumpelt: Ohne Vorwarnung fing er an, meinen nackten Rücken zu liebkosen. Die Verblüffung in meinem Gesicht war nicht gespielt! Ich dachte nur: „Oh Gott, Daniel Craig schleckt gerade deinen Rücken ab! Tu’ einfach so, als wär’ es das Normalste von der Welt!“

Und wie lief es mit Jake?

Das war viel technischer. Wir hatten schon in den Wochen zuvor immer wieder Szenen gedreht, in denen wir uns beinahe küssen sollten. Das heißt, wir standen oft stundenlang wenige Zentimeter voneinander entfernt und warteten auf den „Action!“-Befehl. Als dann eines Tages endlich der richtige Kuss gedreht wurde, war die Luft irgendwie raus.

Er hat erzählt, dass Sie sich extrem gut verstanden hätten.

Stimmt. Wir haben uns ständig gegenseitig hochgenommen. Wir beide nehmen uns selbst überhaupt nicht ernst, aber dafür unsere Arbeit umso mehr. Ich bin heilfroh, dass ich keinen hohlköpfigen Schönling als Filmpartner hatte, sondern einen richtig guten Schauspieler.

Sind Sie ein abenteuerlustiger Mensch?

Ja, ich glaube, ich bin eine kleine Draufgängerin. Ich liebe alle Arten von Action und bin ganz scharf darauf, meine Stunts möglichst selbst zu machen. Ein bisschen Erfahrung bringe ich von meiner Schauspielschule mit, auf der ich viel Bühnenkampf trainiert habe. Und ich fand es klasse, dass man mir für „Prince of Persia“ einen Intensivkurs im Reiten spendiert hat. Ich war zuvor noch nie geritten – inzwischen habe ich eine richtige Leidenschaft dafür entwickelt.

Trainieren Sie privat auch gern?

Nein. Fitnesscenter öden mich an. Vor allem Laufbänder langweilen mich zu Tode. Ich betrete die Dinger nur, wenn ich mich für eine Rolle in Form bringen muss. Mein Vorbild ist Monica Bellucci, die auch nach jedem Film wieder zu ihrem Normalgewicht zurückkehrt: Ich halte sie für die größte Sexbombe aller Zeiten – und sie ist alles andere als ein Hungerhaken!

Wie gehen Sie mit drem wachsenden Ruhm um?

Die Vorstellung, ein großer Star zu sein, macht mir ein wenig Angst. Ich finde es auch gruselig, dass es bald Prinzessinnen-Puppen mit meinem Gesicht geben wird. Aber ich bin sicher, dass ich mich durch den Ruhm nicht verändern werde. Warum auch? Ich komme aus einer Arbeiterklasse-Familie, die mich extrem erdet. Es macht mich ja schon fuchsteufelswild, wenn manche Kollegen den ganzen Tag nur über ihren Beruf reden. Schließlich gibt es noch andere Dinge auf der Welt!

Was, glauben Sie, ist Ihr schlimmster Charakterzug?

Meine Schusseligkeit. Schon am ersten Drehtag von „Prince of Persia“ bin ich vor laufender Kamera voll auf die Schnauze geflogen. Das war wohl meine Art, mich beim Team vorzustellen: „Hallo, ich bin Gemma, der Schussel!“ Außerdem bin ich wahnsinnig vergesslich. Was ich mir nicht aufschreibe, verpenne ich garantiert. Ich kann zwar in zehn Minuten eine halbe Seite Text lernen, aber spätestens am nächsten Tag habe ich alles wieder vergessen. Einfach schrecklich!

Und was ist Ihre schönste Eigenschaft?

Meine Großzügigkeit!

Das Gespräch führte

Marco Schmidt.

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