Bekenntnis zur großen Symphonie

- Zu dieser Uraufführung führte ein langer Weg. 1985 begann Kurt Graunke die Arbeit an seiner neunter Symphonie, die sich zehn Jahre lang hinzog. 1999 erschien das Werk auf einer CD, jetzt erst kam die konzertante Uraufführung (im Herkulessaal) zustande: mit den wohlvorbereiteten Münchner Symphonikern unter Heiko Mathias Förster, der sich wieder als aufmerksamer Gestalter erwies.

<P>Graunke: ein lebenslanger Sucher nach neuen Pfaden auf vertrautem Terrain. Die Nähe zu Reger, dessen Enkelschüler er ist (über Hermann Grabner), lässt sich hier weniger deutlich feststellen als in seinen früheren Werken; die Dissonanzen waren ausgeprägter, schärfer. Graunke versteht mit dem Orchester als Praktiker umzugehen. Die Bläser bekommen Entfaltungsmöglichkeiten, die Celli lässt er singen, die Pauken dreinfahren. </P><P>Diese Differenzierungen vermeiden, dass aus der Symphonie ein Tutti-Werk wird. Dennoch: Die gut einstündige Dauer führt zu Weitschweifigkeit, die sich besonders im "Scherzo" zeigt und erst in einzelnen Teilen der Final-Passacaglia überwunden scheint. Förster hielt den <BR><BR>Zusammenhang über alle Zäsuren und Generalpausen hinweg; ein solches Bekenntnis zur großen Symphonie fordert eben Konsequenzen für den Komponisten und Interpreten sowie Konzentration von den Zuhörern, die am Schluss eher höflich als enthusiastisch applaudierten. Zuvor hatte der 87-Jährige die Ehrenmitgliedschaft des von ihm unter seinem Namen gegründeten Orchesters entgegengenommen. <BR><BR>Im ersten Teil des Konzerts war die junge Münchner Geigerin Arabella Steinbacher in zwei Standardwerken französischer Provenienz zu hören: in Ernest Chaussons "Poème" und in Maurice Ravels "Tzigane". Sie spielte sie mit vollem, schönem Ton und gehöriger Portion Virtuosität. <BR><BR></P>

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