Wer bekommt den einzigen Fallschirm?

Metropol-Theater: - "Assessment-Center" heißt das ja jetzt im englisch durchseuchten Geschäftsjargon. Gemeint ist damit die letzte, härteste Runde eines Einstellungstests. Stoff fürs Theater? Dem 43-jährigen Katalanen Jordi Galceran ist jedenfalls mit seiner "Grönholm Methode" eine Art Psychokrimi gelungen, der jetzt im Münchner Metropol Theater heftig beklatschte Premiere hatte. Cordula Jung, Absolventin der Bayerischen Theaterakademie, empfiehlt sich mit dieser Diplom-Inszenierung als Regisseurin für subtil orchestriertes Kammerspiel.

Vier Kandidaten für einen Top-Managerposten finden sich in einem neu-sachlichen Konferenzzimmer ein. Statt Einzelgespräch, schriftlich durch eine Klappe gereicht, Anweisungen und Prüfungsaufgaben. Die erste: in zehn Minuten herauszufinden, wer von den vier Bewerbern ein Maulwurf, sprich: ein Mitglied des Unternehmens ist.

Perfider die folgenden Problemstellungen: zum Beispiel im brennenden Flugzeug. Wer von den Vieren darf sich mit dem einzigen Fallschirm retten? Der unsichtbare Personalchef Grönholm ist auch ein Chef-Ausdenker von infamsten Rollenspielen. Wer Druck aushält, wer andere wegbeißt, der gewinnt. Seine Devise: "Wir suchen nicht einen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist." Passend zum G-8-Gipfel hat man hier ein Stück über die Zurichtung des für eine bestimmte Art von Globalisierung erforderlichen Managertyps.

Dieser Galceran ist naturgemäß ähnlich sprachlastig wie Sartes "Geschlossene Gesellschaft". Zum Glück inszeniert Cordula Jung so geschickt, dass die ernste Thematik - zumindest für den "Außenblick" des Zuschauers - durchaus komische Seiten haben kann. Und zum Glück hat sie mit Judith Toth, David Baalcke, Markus H. Eberhardt und Matthias Grundig - auch eben in dieser fragilen, ernst-komisch schillernden Atmosphäre - präzise Schauspieler. Sie servieren die Selbstentblößungen, die Verdächtigungen, das gegenseitige Aushorchen, Beschuldigen, die Hahnenkämpfe als geschliffene Sprachduelle und als feinziselierte Choreographie der Gesten und Blicke. Darin ist vor allem Matthias Grundig ein Meister: Was er da als fiesester Typ im Quartett alles an körpersprachlichen Zeichen einbringt - ein Schauspiel in sich. Die kriminalistische Überraschung am Ende, nein, die verraten wir nicht.

Weitere Vorstellungen

10., 13. - 16. Juni und

20. - 24. Juni

20 Uhr

089/ 32 19 55 33

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