Belcanto mit Kaltstart

- Am Festspiel-Tag zwei war für manchen die Münchner Opernwelt wieder in Ordnung. Kein Moses, kein Aron, keine lästige Zwölfton-Reihe, dafür: Belcanto satt. Das auch noch mit der Assoluta, weshalb die "Suche-Karte"-Schilder gleich inflationär zunahmen und nun - im Unterschied zur Schönberg-Premiere - Gala-Gäste bis hin zum Ministerpräsidenten plötzlich ihre Politbüros verlassen hatten.

Bellinis "Norma" im Arrangement Jürgen Roses, das tut schließlich nicht weh. Auch wenn der sonst stilsichere Theatermann hier an Geschmacksarmut krankt, seine fragwürdig ausstaffierte Titelheldin unter anderem die Kellertreppe hinauf- und hinunterschickt - gekommen waren ja alle wegen Edita Gruberova. Die enttäuschte die Erwartungen nicht, bewies aber auch: Donizetti-Königinnen à` la Elisabetta liegen ihr besser in der Kehle. Da kann sie nämlich in Bereichen operieren, die bei der tiefer liegenden, eine breitere Bruststimme erfordernden Norma weniger gefragt sind.

Vor dem Hintergrund war es also nur logisch, dass der Gruberova nach dem leicht unsteten "Casta Diva" eine unnachahmliche Cabaletta gelang. Ihre Bestform fand sie in den Duetten mit Adalgisa, wobei Sonia Ganassi hier nicht Primadonnen-Beilage war, sondern Paroli bot. Roberto Scandiuzzi war als Oroveso hauptsächlich mit dem Ausstellen seines Basses beschäftigt, Zoran Todorovich (Pollione), der als Macho und bei Lyrismen bella figura machte, rettete sich gern in steifes Forte-Singen.

Dirigent Friedrich Haider war an diesem Abend viel zu verdanken. Denn der musste mit Staatsorchester und Sängern einen unüberhörbaren Kaltstart hinlegen. Anfangs kämpfte er um rhythmische Stabilität, trieb an, formte überdeutliche Phrasen, was einige kaum kümmerte. Erst nach der Pause rastete die Aufführung einigermaßen ein: voll gestopfte Festspiele und genügend Proben - wohl ein natürlicher Widerspruch. Dem abgekämpften Haider sah man's beim Schlussbeifall an.

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