Bellen fürs Bild

- Manchmal bellt er selber die Hunde an, um die unverhofften Reaktionen darauf fotografieren zu können. Wenn jemand allzu verkrampft oder griesgrämig erscheint, benutzt er rasch seine Fahrradhupe, die er für solche Zwecke mit sich führt. Die Absicht lautet: "Ich bekomme ein menschlicheres Bild."

Unter dem Titel "vintages & dogs" versammelt die Versicherungskammer Bayern in ihrem Münchner Foyer, Maximilianstraße 53, in kleineren und größeren Schwarz-Weiß-Formaten eine Vielzahl dessen, womit der jetzt 78-jährige, als Europa-Flüchtling seit 1939 in den USA lebende Magnum-Fotograf Elliott Erwitt sein Publikum zum Schmunzeln und zum Lachen bringt.

Als stets wacher Beobachter - mit dem Hauptsitz in Manhattan - lässt Erwitt gern den signifikanten Ausschnitt für das Ganze sprechen. Als er für das Sonntagsmagazin der "New York Times" eine Modeserie über Damenschuhe liefern sollte, machte er Aufnahmen aus der Hundeperspektive, "weil Hunde mehr Schuhe zu sehen kriegen als irgendjemand sonst". Tatsächlich genügt der begrenzte Blick auf die Highheels, um auf ihre ansonsten nicht sichtbaren Trägerinnen schließen zu können.

Hundepfoten und menschliche Beine lassen einen hohen Wuchs vermuten, der Winzling daneben trägt als Klimaschutz eine gestrickte Mütze über seinen Fledermausohren. Hüpfende, tänzelnde Hunde am Strand, einer seelenruhig auf dem Surfbrett, ein Hund als Beifahrer in seiner Wächterrolle während des Parkens, ein als Ballerina geschorener Pudel an der Bar: Hunde haben Humor, sie eignen sich fürs menschliche Rollenspiel. "Am liebsten fotografiere ich französische Hunde", sagt Erwitt, "die haben Persönlichkeit".

Glaubhaft als Bettler mit Hut erscheint eine angekettete Promenadenmischung, ein Eimerchen soll milde Gaben aufnehmen. Rechts daneben zwei abgelegte Krücken, zur Linken passiert ein Paar Frauenbeine die Mitleidsstätte. Solche Bilder sagen mehr als viele Worte.

Erwitts Streifzüge an sommerlichen Badestränden und zugehörigen Café´terrassen fixieren allerlei Nackedei-Situationen auf witzige Weise. Der Mensch entblößt sich zur allemal komischen Figur. Die Kunst, den richtigen Moment zu erwischen, erhielt in Elliott Erwitt einen Meister von permanenter Vergnüglichkeit. Ausgespart sind bei dieser Münchner Übersicht die Porträts der Namhaften. Die hier Dargestellten bleiben anonym: als Kommentare zur menschlichen Komödie samt Hundehaltung.

Bis 3.9., täglich 9-19 Uhr, Eintritt frei, "Das Handbuch": 8,50 Euro, Tel. 089/ 21 60 66 15.

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