Ben Hur live: Die aufwändige Inszenierung des Klassikers in der Münchner Olympiahalle ist aufregend und faszinierend.

Premiere in der Münchner Olympiahalle

„Ben Hur live“ in der Olympiahalle: Atmen nicht vergessen

Plötzlich bricht die Achse des Wagens, vier Pferde galoppieren wie besinnungslos davon, schleifen den Wagenlenker mit. Erschreckt schreien die Zuschauer in der Münchner Olympiahalle auf.

Ohne Zweifel: Das Wagenrennen, bei dem fünf Quadrigen (römische Streitwagen, die von je vier parallel laufenden Pferden gezogen werden) ein Rennen fahren, ist Höhepunkt von „Ben Hur Live“.

Die Rhythmen, die Stewart Copeland (Schlagzeuger von The Police) komponiert hat, stampfen harsch, Staub wirbelt, dicht an dicht lenken die Fahrer ihre Wagen aneinander vorbei, mit wehenden Mähnen legen sich die Pferde in die wie es scheint viel zu engen Kurven. Ob man will oder nicht: Es ist zum Atemanhalten – und es ist ein Wunder, dass alles gut geht.

Dabei ist es keineswegs so, dass diese gut zweistündige Inszenierung mit Schauwerten geizt. Die Geschichte des Juden Ben Hur, der unschuldig zur Sklaverei verurteilt wurde, dann Adoptivsohn eines Römers wird, zurück nach Judäa kehrt und dort seinen einstigen Freund Messala im Wagenrennen schlägt, lebt von Opulenz.

Und nur dadurch funktioniert das Konzept, an dessen Verwirklichung Franz Abraham 15 Jahre gearbeitet hat. Seine Version des Romans, den Lew Wallace 1880 veröffentlichte und dessen Verfilmung aus dem Jahr 1959 mit Charlton Heston Oscar-prämiert ist, setzt auf Überwältigung: Der Zuschauer bekommt so viel zu sehen, dass er nicht weiß, wo er zuerst hinschauen soll. Es sind die Massenszenen – das Treiben auf den Straßen Jerusalems, die aufmarschierenden römischen Legionäre, die Orgie zur Amtseinführung von Pontius Pilatus –, die faszinieren. Sie sind prall gefüllt von der Fantasie und Leidenschaft der Macher, deren Spieltrieb nur selten – etwa wenn Piraten auf Quads (vierrädrigen Motorrädern) angreifen – wie bei einem Kinderfasching wirkt.

Die Darsteller sprechen übrigens Latein und Aramäisch, was wirklich wunderbar ist. Als Erzähler führt Ben Becker durch die Geschichte. Eindrucksvoll, denn sein Bass hat das nötige Pathos und knarzt sowieso wie die Planken auf einer römischen Galeere.

Michael Schleicher

  • Weitere Vorstellungen an diesem Samstag um 15 und 20 Uhr. Restkarten an der Tageskasse.

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