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Zauberei plus Comedy: Die Shows von Ben Profane (links), Thomas Fraps und Gaston Florin (nicht auf dem Bild) sind seit 25 Jahren fast immer ausverkauft. Zauberer aus ganz Deutschland kommen dafür nach München. 

Zauberabende in München

Die magische Macht der Verblüffung

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Als sie sich kennenlernten, waren sie Physikstudenten. Heute setzen sie gemeinsam die Naturgesetze außer Kraft. Ben Profane, Thomas Fraps und Gaston Florin verzaubern seit 25 Jahren einmal im Monat ihr Münchner Publikum. Zauberer aus ganz Deutschland kommen zu den Auftritten. Und es geht nicht nur um Magie.

Die schönsten Momente sind die, in denen der Applaus ausbleibt. Wenn die Zuschauer so sehr mit sprachlosem Staunen beschäftigt sind, dass nicht mal mehr aus Höflichkeit geklatscht wird. Und gerade bahnt sich ein solcher Moment an. Thomas Fraps hat einer Dame aus dem Publikum eine Menge Fragen gestellt. Fragen wie „Gehören Sie zu den Menschen, die Nutella mit Butter auf eine Semmel schmieren?“ oder „Sind Sie jemand, der mit einer Münze über einen Automat kratzt, wenn der das Geld nicht angenommen hat?“ Während sie mit Ja oder Nein antwortet, notiert er sich wild Zahlen auf einen Block.

Der Trick, um den es gerade geht, hat einen Namen: Frapsologie – nach seinem Erfinder. Thomas Fraps ist viel zu sehr Wissenschaftler, um an Horoskope zu glauben. Aber er ist auch genug Zauberer, um etwas Eigenes aus kosmischen Gegebenheiten zu machen: Er berechnet anhand der Eigenschaften eines Menschen dessen Geburtsdatum. Dafür braucht er Block, Stift und ein paar scheinbar belanglose Fragen, ein bisschen Mathematik – und auf dem Papier steht ein Datum. „Richtig“, sagt die Frau aus dem Publikum irritiert – dann ist es still im Saal. Es dauert einige Sekunden, bis der Applaus kommt. Dieser Augenblick der ungläubigen Stille ist für Thomas Fraps viel mehr wert als lautes Klatschen. Er ist das Zeichen dafür, dass ein Trick funktioniert hat.

Der 50-Jährige ist nicht nur Physiker und selbst ernannter Frapsologe – sondern an diesem Abend in erster Linie Zauberer. Einmal im Monat teilt er sich die Bühne mit Zauberern aus dem ganzen Land. Zwei sind immer dabei: Ben Profane und Gaston Florin. Die drei haben sich vor 25 Jahren auf einem Zauber-Wettbewerb kennengelernt. Thomas Fraps und Ben Profane studierten damals Physik, Gaston Florin war Schauspielschüler. Alle drei waren seit vielen Jahren Hobbyzauberer. Gemeinsam kam ihnen die Idee, in München einen Magic Monday einzuführen – einen Zauberabend, immer am ersten Montag des Monats. Schon der erste war ein riesiger Erfolg. Heute – ein Vierteljahrhundert später – sind die magischen Montage noch immer regelmäßig ausverkauft.

„Jeder Trick ist immer ein Wechselspiel zwischen uns und den Zuschauern.“

Magie ist mindestens so gefragt wie das Bedürfnis, hemmungslos staunen zu können – in einem immer technischeren und durchgeplanteren Alltag vielleicht sogar mehr denn je. Bei den magischen Montagen geht es um mehr als Magie. „Wir wollen die Zauberei jünger und moderner machen“, sagt Ben Profane. Bei ihnen klettern keine weißen Kaninchen aus Zylindern, bei ihnen wird Zauberei mit Comedy kombiniert. „Wir beziehen das Publikum mit ein.“ Die Gäste der Show halten die Gläser in der Hand, aus denen plötzlich Dinge verschwinden. Oder sie werden auf der Bühne Zeuge davon, wie ihr Personalausweis in etliche kleine Stücke zerschnitten und dann vor ihren Augen wieder ganz wird. „Diese Nähe ist der Charme, der unsere Shows ausmacht“, sagt Thomas Fraps. „Jeder Trick ist immer ein Wechselspiel zwischen uns und den Zuschauern – das bedeutet natürlich auch, dass wir viel improvisieren müssen.“

Manchmal, sagt Profane, wird ein Zaubertrick so etwas wie ein Ritt auf Messers Schneide. „Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, was auf der Bühne schon alles schief gegangen ist.“ Vieles davon haben die Zuschauer nicht mitbekommen – weil ein richtig guter Zauberer immer auch ein guter Entertainer ist, erklärt Profane.

Das Zaubern kann grundsätzlich jeder lernen – da sind sich die drei Erfinder des magischen Montags einig. Ein Publikum in den Bann zu ziehen, ist schon etwas schwieriger. „Wer es nie schafft, zu verblüffen, zu fesseln und zu unterhalten, wird nie ein guter Zauberer sein.“ Und selbst das hemmungslose Staunen allein reicht Thomas Fraps, Ben Profane und Gaston Florin nicht aus. „Für eine interessante Show brauchen wir die Zuschauer. Es geht auch darum, den Ball hin und her zu spielen und zu sehen, was passiert.“

In den vergangenen 25 Jahren ist durch die Idee des Magic Monday so etwas wie ein deutschlandweites Zauberer-Netzwerk entstanden. Einige reisen sogar aus dem hohen Norden an, um in München einmal mit auf der Bühne zu stehen. Aktuell ist das die Bühne des Theaters Drehleier im Münchner Osten. Denn das „Theater und so fort“, in dem einst alles begann, wurde nach einem Wasserschaden nicht mehr saniert, ein neuer Standort ist noch nicht gefunden. Den Magic Monday wollten Fraps, Profane und Gaston aber nicht einschlafen lassen – auch wenn er aktuell nicht im gewohnten monatlichen Rhythmus und nicht zwangsläufig montags stattfindet. Ende Mai sind sogar drei Zauber-Tage in Folge geplant – das große Festival der Verblüffung, so haben sie es genannt. Verblüffung – das ist ein Versprechen, das die drei Zauberer seit 25 Jahren halten.

Die Zaubertage

finden am 22., 23. und 24. Mai, jeweils 20 Uhr, im Theater Drehleier, Rosenheimer Straße 123, statt. Karten unter 089/ 48 27 42 oder unter www.theater-drehleier.de.

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