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Ansteckendes Temperament: Anna Prohaska, Star der Deutschen Staatsoper Berlin, und Daniel Prohaska, der Herzensbrecher vom Münchner Gärtnerplatztheater.

Benefizabend für "Lebensmut"

Brüderlein und Schwesterlein

München - Warum bloß haben sie nicht längst gemeinsame Sache gemacht? Das fragte sich wohl jeder Gast dieses Abends im Münchner Pressehaus. Anna und Daniel Prohaska, die verschwisterten Sängerstars, gaben bei der 14. Veranstaltung des Krebshilfevereins „Lebensmut“ ihr umjubeltes Debüt als Bühnen-Duo.

Ausgerechnet beim Schlager musste das passieren, bei der einzigen so richtig populären Nummer. Händels „Ombra mai fu“ war eigentlich dran – doch wo sind die Noten? Ein Blättern hier, ein Suchen da, ein erleichtertes Aufseufzen samt schelmischem Blick ins Publikum: Da sind sie ja. Und wer ein Natur-Charmeur wie Daniel Prohaska ist, dem fliegen die Herzen selbst bei solch ungeplanten Szenen zu. Mit einem eigens für diesen Abend konzipierten Programm traten er und seine Schwester Anna Prohaska in der „Alten Rotation“ des Münchner Pressehauses auf. Sie, der Star der Deutschen Staatsoper Berlin, und er, der singende Stenz vom Münchner Gärtnerplatz: „Das macht die Sensation noch größer, als sie ohnehin schon ist“, sagte Sabine Dultz, ehemalige Kulturchefin des „Münchner Merkur“ und fürs Programm dieser „Lebensmut“-Abende verantwortlich.

Und das alles für einen guten Zweck. Seit 14 Jahren kümmert sich der Verein am Klinikum Großhadern um Krebskranke und ihre Angehörige. Das erfordert nicht nur viel Zeit und Einfühlsamkeit – sondern auch entsprechende finanzielle Mittel. „Helfen Sie uns weiter helfen“, bat deshalb der Vereinsvorsitzende, Professor Wolfgang Hiddemann. Über rund 20 000 Euro an Spendengeldern konnte sich „Lebensmut“ dank dieses außergewöhnlichen Benefiz-Abends freuen. Gut 200 Gäste waren zur 14. Kulturveranstaltung ins Pressehaus gekommen. So viele, wie noch nie, stellte Merkur-Verleger Dirk Ippen in seiner Begrüßungsrede fest – und adelte die „Alte Rotation“ zum wiederholten Mal zur „Sabine-Dultz-Halle“. Die Mitorganisatorin ließ noch einmal die Reihe der Künstler Revue passieren, die schon für „Lebensmut“ aufgetreten sind, darunter die Biermösl Blosn, Dagmar Manzel Sunnyi Melles, Gerhard Polt und Michael von Au: „Ist das noch zu toppen?“ Auf seine Weise durchaus, wie dieser Abend zeigte.

Anna und Daniel Prohaska hatten sich mit dem Instrumental-Ensemble der L’accademia giocosa zusammengetan. Hinter diesem Namen verbergen sich Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, die neben ihrer „normalen“ Konzertpraxis nun auf alten Instrumenten die Musik von Renaissance und Barock wiederbeleben. In München ein (fast) einmaliger Fall.

Das Programm war dementsprechend ambitioniert – und riskierte einen Start von null auf hundertachtzig: mit einem A-cappella-Duett von Thomas Morley. In Werken dieses frühen britischen Meisters sowie seiner Kollegen Henry Purcell, Alessandro Scarlatti und John Dowland sangen die Prohaskas von den seltsamen Spielen der Liebe, von ihren Wunden, von fließenden Tränen, um mit Bachs „Verzage nicht“ und Händels „Happy we“ wieder die elegante Kurve ins Licht zu kriegen.

So stark, wie es zwischen den Geschwistern auf der Bühne funkte, so aufgekratzt, wie sie sich die Bälle zuspielten, so selbstverständlich, wie sie sich vokal aneinander schmiegten, konnte man eines kaum glauben: dass Anna und Daniel Prohaska erstmals ein derartiges Projekt wagten. Zwei, die sich ergänzen, sind das. Sie mit genau dosiertem Temperament und klanglich oft mit den Instrumenten verschmelzend, er mit Entertainer-Qualitäten und eher offensiver Musikalität.

Unwiderstehliche 80 Minuten waren das, die zu Standing Ovations provozierten. Ein Konzert, das auch die Profis beeindruckte: Nikolaus Pont, Manager der BR-Symphoniker, zeigte sich ziemlich angetan vom Programm, vor allem auch von der hervorragenden Akustik der „Alten Rotation“. Gewiss, Anna und Daniel Prohaska sind viel gefragt auf wichtigen Bühnen. Aber eine Sache drängt sich nach diesem „Lebensmut“-Abend auf: Das sollte, ja muss der Auftakt zur regelmäßigen musikalischen Zweisamkeit sein.

Markus Thiel

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