Benefiz-Ballett:

- Es war ein regelrechter Ansturm aufs Prinzregententheater - für Boris Eifmans St. Petersburger Ballett-Theater, jetzt zum ersten Mal in München. Der Veranstalter, die Altenhilfe Moskau e. V., ist voller Dank für diesen phänomenalen Zuspruch. Entsetzt über das Elend der "vergessenen Alten" in der Heimat seiner russischen Frau, hatte Peter Böhm diesen Verein 1992 gegründet. Und wie bei allen 13 vorangegangenen Benefiz-Veranstaltungen kommt auch jetzt notleidenden, kranken alten Menschen zugute, was Eifmans ausverkaufte "Anna Karenina" (zu Tschaikowsky) einspielt.

Man war neugierig auf die Vertanzung dieses Tolstoi-Romans, überhaupt auf den international hochgehandelten 59-Jährigen, der als Russlands fortschrittlichster Choreograph gilt. Und die stehenden Ovationen dann am Ende überraschten nicht. Eifman, das ist schon klar nach den ersten Minuten, ist so recht ein Ballettexperte, um ein breites Publikum für den Tanz zu gewinnen: Er kann mit ausgefeilten Pas de deux süffig und sehr effektvoll erzählen. Anna Karenina und

Halsbrecherische Artistik

Ehemann, Anna und der Geliebte Wronsky - für diese bitteren Konfrontationen und tragisch erotischen Zweisamkeiten treibt er die Ballettklassik geradezu halsbrecherisch bis auf die Spitze von Equilibristik und Eiskunstlauf. Und schiebt immer wieder frei erfundene skurrile Gesten, Torso-Windungen und kantig-groteske Bodenstürze ein. Das ist meist für den Körper schmerzend unorganisch. Aber Maria Abaschowa (Anna), Juri Smekalow (Wronsky) und Albert Galitschanin (Karenin), der Ausdrucksstärkste des Abends, schaffen das. Auch das Ensemble, das regelmäßig in dekorativ-rasanten Großformationen über die Bühne jagt.

Für den Berufszuschauer ist das alles ein bisschen zu viel: diese aufgetürmte Bewegungsartistik, der bombastische Gruppen-Drill, der Tschaikowsky (als grausig klingende Tonkonserve) metronomisch verhackstückt. Bei der Serenade in C-Dur für Streichorchester gleich zu Beginn denkt man mit Wehmut an Balanchines so musikalische Umsetzung. Aber Eifman hat fraglos eine Handschrift entwickelt und sich ein glänzendes Ensemble aufgebaut.

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