Ein beneidenswerter Flirter

- "Das ist doch klar, wenn man ein Theatermensch ist: Wo immer es ein Benefiz für ein Theater gibt, würde ich mittun. Das ist unser Zuhause. Das ist unsere Truppe. Das ist selbstverständlich."

Also hat der Wiener Michael Heltau gar nicht lange überlegt, als er gefragt wurde, ob er mithelfen wolle, das Cuvillié´stheater wieder bespielbar zu machen. Und so kommt es, dass der gerade mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnete Burg-Schauspieler zusammen mit der Pianistin Elisabeth Leonskaja an diesem Donnerstag, 15. 12., 20 Uhr, im Münchner Prinzregententheater eine Benefiz-Gala zu Gunsten des Cuvillié´stheaters gibt.

"Liebesgeschichten" ist der Abend überschrieben. Heltau liest aus den Liebesbriefen Hugo von Hofmannsthals an Ottonie Gräfin Degenfeld. Und Leonskaja antwortet ihm mit Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und Johann Strauß.

In Wien zeigte das Künstler-Duo diesen Abend als einen Teil des Zyklus' "Sprach-Melodie" bereits im Musikverein. Heltau: "Er schlug ein wie eine Bombe." Denn hier konnte er exemplarisch das realisieren, was ihm künstlerisch am Herzen liegt: "Die Sprache findet ihre letzte Steigerung in der Musik. Aber im Gegenteil dazu behaupte ich: Jede Musik, jede Melodie, wenn sie auch ohne Worte ist, hat immer einen Text. Die Leonskaja spielt ja nicht nur Klavier. Sie spielt mit mir mit. Ihre Antworten auf die charmanten Briefe Hofmannsthals ergeben sich aus der Musik. Die ausgewählten Stücke sind die möglichen subjektiven Reaktionen auf die sehr konkrete amouröse Beziehung des Dichters zu der Gräfin. Wir jedenfalls sagen: Unser Abend ist ein Dialog." Und zwar einer mit besonderem Charme.

Michael Heltau: "Ich glaube ja, dass der Hofmannsthal vor allem ein beneidenswerter Flirter war. Nicht nur die Frauen waren ihm reihenweise erlegen. Er hat ja auch die Männer um die Finger gewickelt, ganz klar."

Und so könnte sich Heltau vorstellen, dass auch jetzt das Publikum hier dem Dichter erlegen ist: Denn in den Briefen spielt mit Richard Strauss natürlich auch München eine gewisse Rolle.

Heute ist der Schauspieler Michael Heltau mehr mit Lesungen als mit Bühnenrollen präsent. Ein Ausdruck dafür, dass er die so genannte Moderne aktuellen Regietheaters ablehnt? "Mein Satz dazu: Wo du nicht lieben kannst, da geh' vorüber."

In München aber hat Heltau ohnehin kaum Theater gespielt. Umso häufiger wurde er hier als Chansonnier umjubelt. Nach seinem Hofmannsthal-Abend am Donnerstag kommt er im Frühjahr ein zweites Mal ins Prinzregententheater - dann als Sänger: "Ja, ich will's noch einmal wissen."

Karten für den 15. Dezember unter 089/ 54 81 81 81 oder 089/ 811 61 91 sowie an der Abendkasse.

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