Bereitschaft zum vollen Risiko

- Andrei Gavrilov wurde früh als Wunderkind gefeiert. Achtzehnjährig gewann der Moskauer den Tschaikowsky-Wettbewerb seiner Heimatstadt und schaffte noch im selben Jahr mit dem Einspringen für den väterlichen Freund Svjatoslav Richter bei den Salzburger Festspielen den Durchbruch. In Interviews unvorsichtig mit der Kritik gegenüber dem Sowjetregime, geriet er ins Fadenkreuz des KGB, war schwersten Repressalien ausgesetzt, bevor ihn Michail Gorbatschow 1984 "gerettet" hat. Gavrilovs Gesundheit war damals sehr angeschlagen, heute lebt er in Luzern.

Im Münchner Herkulessaal gastierte der mittlerweile fünfzigjährige Starpianist mit Werken zweier Komponisten, die er besonders liebt: Frédéric Chopin und Sergej Prokofjew. Dass Kompromisslosigkeit und die Bereitschaft zu vollem Risiko zu seinen Prinzipien gehören, machte Gavrilov auch mit diesem Abend klar. Sensibel und delikat eröffnete er mit der Nocturne in Des-Dur op. 27/2 seinen Chopin-Teil, in dem sich Nocturne und Etüden abwechselten.

Halsbrecherisch nahm er das Tempo der cis-moll-Etüde op. 10/4 und verlieh den Akkorden der c-moll-Nocturne op. 48/1 gewaltige Kraft. Gavrilov spielte mit einer ausgewogenen Mischung von Impulsivität und lyrischer Intensität. Mit perlender Leichtigkeit gewann er dem Instrument Klangschönheit ab und setzte technisch brillante Effekte.

Auf eindringliche Art entfaltete er im zweiten Teil die Klangpracht von Prokofjews Klavier-Suite "Romeo und Julia": facettenreich, mit dramatischer Virtuosität und rhythmischer Intensität. Über die kleinen Patzer, die er über den Abend dezent verteilte, hörte man bei ihm daher auch gerne hinweg. Bis an die Grenzen strapazierte er immer wieder den Flügel, und um die Standhaftigkeit des Instrumentes musste man bei seinem effektvoll-dynamischen Spiel nicht nur einmal bangen.

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