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Noch nie in Innsbruck gespielt und mittlerweile ein Publikumsrenner: Johannes Reitmeiers Inszenierung von „La Wally“, die am 2., 9., 15. und 21. November wieder gezeigt wird.

„Berge muss man sich hart erarbeiten“

Innsbruck - Johannes Reitmeier über seinen Start am Tiroler Landestheater Innsbruck als Nachfolger von Brigitte Fassbaender. Der neue Intendant im Interview:

Sozialisiert für die Oper wurde er  in München. Johannes Reitmeier, 1962 im oberpfälzischen Bad Kötzting geboren, studierte hier und arbeitete im Pressebüro der Bayerischen Staatsoper. Später wurde er Intendant des Südostbayerischen Städtetheaters, bevor er ab 2002 zehn Jahre lang das Pfalztheater Kaiserslautern leitete. Im September trat Reitmeier ein schweres Erbe an: als Nachfolger von Brigitte Fassbaender und damit als Chef des Tiroler Landestheaters in Innsbruck. Seine Inszenierung von Catalanis „La Wally“ (siehe Kasten) ist schon ein Publikumsrenner.

Ist das eine Art Heimkehr nach dem Pfälzer Exil?

Ich habe die Zeit in Kaiserslautern nicht so betrachtet, das war eine sehr gute und fruchtbare Zeit. Ich habe mich dort mit einer Platzausnutzung von 89 Prozent verabschiedet, das hätte ich anfangs nicht für möglich gehalten. Kaiserslautern gilt ja nicht gerade als Kulturmetropole...

Sind Süddeutschland und Österreich noch die Inseln der Seligen für Theatermacher?

Ja. Insbesondere auch die politische Seite bekennt sich zur Kultur. Meine Budgetverhandlungen mit Stadt und Land haben jeweils gerade mal fünf Minuten gedauert. In der Pfalz hatten wir da schwierigere Bedingungen. Und wenn Sie in Österreich Menschen auf der Straße fragen, ob ihre Stadt ein Theater braucht, dann werden auch diejenigen, die nie ein Theater betreten haben, sagen: Ja, sonst ist unsere Stadt nicht intakt.

Aber welches Theater erwarten dann diese Menschen?

Na ja, sie erwarten kein austauschbares Theater. Es muss auf die Besucher zugeschnitten sein. Auch wenn ich Kollegen aus Kaiserslautern mitgebracht habe, so haben wir uns gesagt: Es darf auf gar keinen Fall passieren, dass wir mit demselben Rezept weitermachen. Innsbruck ist beim Musiktheater dank Brigitte Fassbaender wunderbar aufgestellt. Ebenso die Sparte Tanz. Etwas mehr Handlungsbedarf war beim Schauspiel, da war die Akzeptanz nicht mehr so groß.

Brigitte Fassbaender hat das Haus 13 Jahre lang extrem mit ihrem Namen verknüpft...

Natürlich kann ich das nicht. Ich muss mich erst beweisen. Da tut Demut ganz gut, ich habe große Ehrfurcht vor ihrer Lebensleistung. Wir schlagen nun eine etwas andere Richtung ein. Wir suchen zum Beispiel Werke, die hier noch gar nicht gelaufen sind. Es gibt vorerst keine Saison-Themen. Erst mal suchen und entdecken. Ich dachte zum Beispiel: Wenn „La Wally“ irgendwo gespielt wurde, dann hier. Von wegen! Ebenso Korngolds „Die tote Stadt“ oder Bizets „Perlenfischer“... Es gibt auch im Tiroler Musikleben einige Schätze zu heben. Und zum Einstieg haben wir im Schauspiel Hebbels „Nibelungen“ gezeigt, auch die waren hier noch nicht zu erleben.

Sie sind nun schon einige Wochen in Innsbruck. Wie unterscheiden sich Ihre Erfahrungen von den Erwartungen?

Natürlich gab es eine gewisse Skepsis. Die Tiroler waren sehr stolz darauf, dass sich Brigitte Fassbaender für sie entschieden hatte. Die herrschende Meinung war, und das haben mir viele inzwischen gestanden: Es kann nicht besser, nicht einmal ebenbürtig werden. Deshalb lastete auf allen ein besonderer Druck. Aber nachdem die „Wally“ und die „Nibelungen“ sehr offen und sehr freundlich aufgenommen wurden, waren wir sehr erleichtert. Das überträgt sich momentan auf alle am Haus. An die nächsten Projekte gehen wir entspannter ran, das tut gut.

Was können Sie in Innsbruck nicht bringen?

Wir haben in unserer zweiten Spielstätte in Kaiserslautern oft sehr trashige Sachen gemacht. Das war immer voll. An so etwas wagen wir uns in der ersten Innsbrucker Saison nicht heran, dazu muss ich das Publikum erst kennen. Außerdem gibt es in Innsbruck schon eine gute und sehr rege Off-Szene, die bedient einiges. Ich habe in Innsbruck eine neue Spielstätte eröffnet, das K2, dort wollen wir kompromisslos sein. Aber da passen ja ohnehin nur 60 Leute rein... Unser Plan ist außerdem: Wir müssen mehr raus. Wir haben zwei mobile Produktionen für kleine Kinder und Heranwachsende gestartet. Wir zeigen da etwa ein kritisches Stück über Mobbing. Und auch die Oper muss unters Volk und in die Schulklassen.

Wie stark wollen Sie als Regisseur eingreifen?

Da hat das Tiroler Landestheater ja eine Tradition. In der ersten Saison inszeniere ich dreimal, das soll auf zwei zurückgeschraubt werden. Ich wollte erst einmal eine Duftmarke setzen, da ich auch in dieser Hinsicht in Innsbruck ein unbeschriebenes Blatt bin.

Also ist das Modell des inszenierenden Intendanten das bessere als das des Opernmanagers...

Ich fühle mich wohl damit. Die nicht inszenierenden Intendanten sagen ja immer, sie seien die Ermöglicher. Ich jedenfalls habe noch genug Spielraum, um zu ermöglichen. Und ich kenne durch die Regie-Arbeit die Basis des Hauses. Allerdings: Freizeit? Fehlanzeige! Ich fahre zwar gern Ski. Die Innsbrucker Berge muss man sich allerdings hart erarbeiten.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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