In Berlin feierte das Musical nach dem Kultfilm „Dirty Dancing“ Premiere. Fans dürfen sich freuen: Im Herbst kommt es auch nach München.

Musical-Premiere

"Dirty Dancing": Sie tun es wieder!

Berlin/München - In Berlin feierte das Musical nach dem Kultfilm „Dirty Dancing“ Premiere. Fans dürfen sich freuen: Im Herbst kommt es auch nach München.

Ein Mädchentraum wird wahr: einmal in der letzten Szene von „Dirty Dancing“ dabei zu sein. Zu sehen, wie Johnny Castle durch das Publikum auf die Bühne stürmt, sich das Mikrofon schnappt und ruft: „Mein Baby gehört zu mir!“ Ach, wie viele Frauenherzen sind bei diesem Anblick nicht im Tango-Takt gesprungen? Fast 30 Jahre nach der Kinopremiere des Welterfolgs „Dirty Dancing“ tun sie es jetzt wieder.

Zugegeben, der Johnny Castle, der im Admiralspalast Berlin und im Herbst auch in München auf die Bühne springt, hat etwas dunklere Haare, weniger segelnde Ohren als der unvergessene Patrick Swayze (1952–2009) – und ungarischen Akzent. Doch wirbelt auch Máté Gyenei sein „Baby“ (entzückend: Anna-Louise Weihrauch) schwungvoll wie Swayze durch die Luft – und seine Hüften schieben sie mindestens genauso lasziv in Richtung Bett.

Ohne Zweifel: Die Neuauflage der 2004 zum ersten Mal konzipierten Bühnenshow von „Dirty Dancing“ ist durch und durch gelungen – von der Besetzung über das Bühnenbild bis hin zur Band, die stets auf einer Empore über der Szenerie den Takt vorgibt.

Co-Regisseur Alex Balga hat die Vorgänger-Shows in Absprache mit der Drehbuchautorin sowohl des Films als auch der Bühnenshows, Eleanor Bergstein, ordentlich gestrafft. Und an die Sehgewohnheiten deutscher Zuschauer angepasst. Denn die mögen’s nicht so schrill wie das amerikanische oder australische Publikum, weiß Balga aus Erfahrung. „Die erste Musical-Version von ,Dirty Dancing‘ hat 2004 in Australien und später in London Erfolge gefeiert“, erzählt er. „Die Shows wurden in Deutschland einfach übernommen – und dann wundert man sich, wenn’s hier nicht auch klappt.“ Es hagelte Kritik. Für die neue Auflage haben sie diese kritischen Stimmen bewusst angehört und die Show entsprechend verändert. „In Amerika muss es immer laut sein, sodass das Publikum geradezu in den Sitz gepresst wird. Leider orientieren sich daran viele Musical-Formate. Ich wollte aber auch leisere Töne – damit die Zuschauer sich immer wieder zur Bühne hinlehnen und aufmerksam zuhören“, beschreibt es Balga, der vorher bereits gefeierte Musicals wie „Saturday Night Fever“ inszenierte.

Was ihm außerdem besonders wichtig war: dass die Band live auf der Bühne spielt. „Es heißt schließlich ,live on stage‘! Bei uns gibt’s noch ein Orchester, und es sitzt auf der Bühne“, betont er. Positiver Nebeneffekt: So angetrieben, bewegen sich die Darsteller energetischer.

Wie wahr: In dem durchweg überragend tanzenden Ensemble legen besonders Marie-Luisa Kaster als unfreiwillig schwanger gewordene Penny und ihr Tanzpartner ein paar Nummern aufs Parkett, dass sie locker mit dem Original mithalten können. Überhaupt orientiert sich die Show sehr stark am Film. Ganze Dialoge sind – zur Freude der Zuschauer – übernommen worden. Wenn Sätze fallen wie „Das ist mein Tanzbereich, und das ist deiner“ oder „Ich habe eine Wassermelone getragen“ jubelt das passend zu den Werbeplakaten überwiegend in rosa gekleidete Deutschland-Premierenpublikum in Berlin. Dazu klatschen, schunkeln und summen sie bei Hits wie „Do You Love Me“, „Hungry Eyes“ oder – na klar – „Time Of My Life“ begeistert mit. Es ist ein gemeinsames Eintauchen in die Vergangenheit. Es gibt eben Filme, die sind ins Gedächtnis ganzer Generationen eingebrannt.

Und obwohl es schon so viele Jahre her ist, dass uns Johnny und sein Baby das erste Mal auf großer Leinwand verzückten, gelingt es den Machern vorbildlich, einen augenzwinkernden Blick auf die darin geschilderte so biedere Szenerie der Sechzigerjahre zu werfen – ohne sich jemals lustig darüber zu machen. Und spätestens, wenn in der legendären Szene, in der das Traumpaar der Filmgeschichte gemeinsam die Hebefigur im Wasser übt, ein See auf die Bühne projiziert wird, in dem die beiden Darsteller plötzliche zu schwimmen scheinen, werden auch die Gesichter der Besucher ganz nass – vor Lachtränen.

Morgen fällt ihn Berlin der letzte Vorhang. Vier Wochen lang begeisterte die Show nach der umjubelten Premiere Berliner und Touristen. Crew und Darsteller räumen dann zusammen und machen sich auf Tour durch Zürich, Köln, Wien und Bremen, ehe sie ab 26. November in der kleinen Olympiahalle in München für drei Wochen das bayerische Publikum von der ersten Liebe träumen lassen. Dringende Empfehlung!

Katja Kraft

Karten

für die Vorstellungen vom 26. November bis 15. Dezember in München unter Telefon 01805/ 2001 oder online unter www.mehr.de.

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