Berlinale: 60. Geburtstag am Brandenburger Tor

Berlin - Zum 60. Geburtstag zieht es die Internationalen Filmfestspiele ans Brandenburger Tor. Dort können die Berliner am 12. Februar die Welturaufführung von Fritz Langs “Metropolis“ bestaunen.

Allerdings könnte es kalt werden, räumte Berlinale-Chef Dieter Kosslick am Montag ein. Dafür gibt es Kunst kostenlos dazu. Die koreanisch-amerikanische Designerin Christina Kim hängt dort einen 300 Quadratmeter großen Kinovorhang aus recycelten Film- und Berlinale-Werbetafeln auf. Mit den Großevents solle gezeigt werden, dass die “Magie des Kinos eine gewisse Größe voraussetzt“, sagte Kosslick bei der Vorstellung des Programms der Filmfestspiele.

Goldene Kamera: Hollywood zu Gast in Berlin

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Sie finden in diesem Jahr vom 11. bis 21. Februar statt. Im Jubiläumsjahr hält es die Filmschaffenden nicht an ihrem Zentrum am Potsdamer Platz, nicht in den 28 Kinosälen mit den fast 8.000 Plätzen. So wird die Eröffnungsparty im geschichtsträchtigen Cafe Moskau auf der Karl-Marx-Allee stattfinden, das zu Zeiten des Kalten Kriegs Teil der Propaganda-Festung Ost gegen die Filmfestspiele West war. “Wir wollen zurück an den Ort des Ursprungs“, sagte Kosslick. Und es geht in den Kiez. An zehn geschichtsträchtigen Kinos wird der Rote Teppich jeweils für einen Abend aus gerollt. Gezeigt werden jeweils zwei Filme aus unterschiedlichen Sektionen des Festivals.

Niemand weiß, wie Banksy aussieht

Kosslick lüftete am Montag das Geheimnis um den 26. und letzten Film in der Sparte Wettbewerb. Gezeigt wird “Exit Through The Gift Shop“ des britischen “Streetartisten“ Banksy. Er hat allein in Berlin mit 24 Graffiti für Aufsehen gesorgt. Wie er selbst aussieht, werden auch die Berliner nicht erfahren. “Er wird anwesend sein, aber man wird ihn nicht sehen“, erklärte der Berlinale-Direktor. Banksys Film läuft aber außer Konkurrenz.

Um den Goldenen Bären und die Silbernen Bären konkurrieren in diesem Jahr 20 Filme. Darunter ist auch “Jud Süss - Film ohne Gewissen“ von Oskar Roehler mit Tobias Moretti, Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu. Unter den 20 Filmen im Wettbewerb gibt es 17 Weltpremieren. Es sind 18 Länder vertreten. Im Jubiläumsjahr werden ausnahmsweise zwei statt Ehrenbären verliehen. Einen erhält die Schauspielerin Hanna Schygulla. Ihr Name ist untrennbar mit den Filmen von Rainer Werner Fassbinder verbunden. Der zweite geht an den ostdeutschen Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Kohlhaase, der das Filmschaffen der DEFA stark geprägt hat.

Kameras aus echtem Silber

Mit der Berlinale Kamera zeichnen die Filmfestspiele seit 1986 Filmpersönlichkeiten oder Institutionen aus, denen sie sich sehr verbunden fühlen. Kosslick sagte, 2010 sei dies “einer der großen japanischen Regisseure“, Yoji Yamada. Der Meisterregisseur hat mehr als 80 Filme geschaffen. Eine weitere Kamera “aus echtem Silber“ bekommt die Berliner Gießerei Noack, die seit 1951 die Bären-Trophäen herstellt. Kosslick sagte, in fast der Hälfte der Filme drehe sich das Geschehen um die Familie, die oft nicht mehr funktioniere. Trotzdem scheine sie “eines der letzten Kraftzentren zu sein“. Das spiegele sich auch in den Filmen wider, “teilweise erschreckend“, teilweise humorvoll.

So gebe es den am Tropf hängenden Vater, der in der Intensivstation seinem Leben dadurch ein Ende setze, dass er die Kochsalzlösung gegen hochprozentigen Schnaps austausche. In der Sektion Kulinarisches Kino, zum vierten Mal im Programm, finden die Besucher laut Kosslick “Filme, die Appetit machen oder ihn verderben“. Diese Sparte finde großes Interesse, sagte der Berlinale-Chef. In 30 Sekunden seien versehentlich vorab angebotene Karten weggewesen. Kosslick erwartet wieder eine großartige Berlinale. “Die Geburtstagstorte aus nahezu 400 Filmen ist gebacken“, erklärte er. “Zünden wir die 60 Kerzen an.“ http://www.berlinale.de/ Ende## DAPD

Rubriklistenbild: © dpa

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