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„Sorgenfalter“ ist das Lieblingslied von Mia-Sängerin Mieze auf dem neuen Album der Band. „Lass mich dein Sorgenfalter sein. Ich falte große Sorgen klein“, heißt es darin. „Wir brauchen Sorgenfalter“, sagt Mieze. Heute mehr denn je. Hier sitzt sie mit ihren Bandkollegen (von oben links im Uhrzeigersinn) Gunnar, Andy und Robert im Münchner Backstage. Das Foto entstand vor dem dortigen Konzert der Berliner im November 2019.

Berliner Band Mia präsentiert neues Album

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Die Berliner Elektropopband Mia hat ihr neues Album „Limbo“ herausgebracht.

Der Text, der in diesen Tagen hier hätte erscheinen sollen, war lange fertig. Ein Interview, geführt vor einigen Wochen bei einem München-Besuch der Berliner Elektropopband Mia („Hungriges Herz“). Dann kam Corona. Und alles, was damals mit Sängerin Mieze, diesem Regenbogen von Mensch, besprochen wurde, bekommt jetzt neue Vorzeichen. Die Lieder des nun erschienenen Albums „Limbo“ (Sony Music) genauso. „Reisen“ beispielsweise. „Ich brech der Uhr die Zeiger ab/ Beweg mich zwischen Tag und Nacht/ Werde still und tanke Kraft/ Bin schon viel zu lange wach/ Alles hält an.“ Die Krise als Chance, innezuhalten – das entspricht den vier Freunden, die seit 20 Jahren Musik zusammen machen.

Treffen vor Corona: Mieze und Katja Kraft.

Der Titel „Limbo“? Entspricht ihnen eher nicht. Limbo tanzen, das bedeutet doch, die Latte immer tiefer zu hängen. Mieze, Gunnar, Andy und Robert tun genau das Gegenteil. „Das Besondere ist, dass wir sehr starke Menschen sind. Wir haben vier große Dickschädel und brennen für die Musik“, sagt Mieze. Dass es ihnen trotzdem gelingt, einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist für die 40-Jährige ein Hoffnungsschimmer. „Dann muss es doch auch auf der Welt möglich sein, sich zu einigen. Von diesem Gedanken ist die Platte getrieben.“

„Wir müssen jeden Einzelnen wertschätzen“

Doch Einheit, die geht nur, wenn jeder in der Gesellschaft gesehen wird. Mia haben sich schon für faire Gehälter eingesetzt, lange bevor es trendy war, Pflegern und Rettungskräften zu applaudieren. „Man sieht, wie gering die Wertschätzung für Pflegeberufe und Erzieher ist, daran, dass die viel zu wenig Geld verdienen. Das sind Menschen mit sehr viel Verantwortung“ – vor ein paar Wochen hätte man über diesen Satz von Mieze vielleicht hinweggelesen. In Tagen wie diesen geht das nicht mehr. Weil Tage wie diese auch die Letzten darauf stoßen, was sich ändern muss.

„Geiz ist total ungeil“

Was es dafür braucht? Die Lust, zwischen Harmonien und Diskrepanzen zu tanzen. Um irgendwie einen Konsens zu erzielen. Auch davon erzählt „Limbo“. „Es ist nicht einfach, sich zwischen diesen Widersprüchen zu bewegen. Zwischen dem, was man kennt, und dem, was neu und vielleicht unbequem ist. Es ist auch nicht einfach, die Werte, mit denen man groß geworden ist, zu hinterfragen. Aber damit fängt es an“, sagt Mieze. Sie selbst ist mit dem Slogan „Geiz ist geil“ aufgewachsen. „Ich kann ihn nicht mehr ertragen. Geiz ist nämlich total ungeil. Geiz ist Verursacher für viele Probleme. Es ist wichtig, darüber nachzudenken: Wo kommen die Dinge her? Wer bezahlt dafür wirklich?“ Ja, die Welt sei voller Widersprüche – die Verantwortung liege bei jedem selbst, seinen Weg wohlbedacht darin zu finden. Am besten tanzend, die passende Musik dafür ist da.

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