Schlimme Diagnose für Markus Maria Profitlich: „Will Erkrankung nicht verbergen“

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Berliner Intrigen um Münchner Dirigent

- Flitterwochen auf Dauer gibt es nicht, und das Prickeln der ersten Zeit verfliegt. Doch muss das Sich-Arrangieren mit dem Alltag gleich eine Krise sein? In Berlin wird Letzteres behauptet. Da ist die Liaison zwischen Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern, dem FC Bayern der deutschen Kulturlandschaft, inzwischen zur Normalität geworden - und manch einer raunt gleich von Problemen. Rattle lasse das Orchester verkommen, heißt es.

Das Repertoire sei einseitig, der Streicherklang verflache, und überhaupt stünden bereits zwei Kollegen in den Startlöchern: Daniel Barenboim, der bei der letzten Chefdirigentenwahl Rattle unterlag, und Christian Thielemann, der im Herzen Berliner bleiben wird, sollte er auch Jobs in München oder auf den Osterinseln annehmen.

Das Krisengerede trägt alle Züge einer Kampagne. Bereits vor einigen Monaten machte man der Hauptstadt Kent Nagano madig, jetzt ist eben Rattle dran. Dass das Orchester anders klingt als unter Karajan, stimmt zweifellos - und war auch notwendig. Schon Rattles Vorgänger Claudio Abbado sorgte für eine Verjüngung des Ensembles und ließ Barockexperten wie William Christie ans Pult. Abbado machte die Philharmoniker fit für die neuen Anforderungen des Repertoires und des Klassikmarkts, Rattles Wahl war die logische Fortsetzung dieser Entwicklung. Durch die neue Flexibilität von der Vorklassik über romantische Brocken bis zur Moderne in Verbindung mit einem hohen technischen Niveau blieben die Berliner einzigartig.

Dass vom Abrutschen ins Mittelfeld keine Rede sein kann, zeigten die jüngsten Konzerte mit Abbado. Der Ex-Chef dirigierte Wagners "Wesendonck-Lieder" mit der ihm so eigenen Mischung aus schwebeleichter Schmiegsamkeit und gehaltvoller Klangkultur. Anne Sofie von Otter ergänzte das durch eine ungekünstelte, tief reflektierende Gestaltungskraft. Nach der Pause eine Abbado-typische Ehrenrettung: Schumanns "Manfred", dieses "dramatische Gedicht", dessen ausgedehnte Sprechtexte in diesem Rahmen nach Stars verlangten.

Die Philharmonie wurde zum Theaterschauplatz einer merkwürdigen, halbszenischen Aufführung. Bruno Ganz führte in der Titelrolle ungebremste Staatsschauspieler-Manierismen vor, klebte zudem am mitgeführten Manuskript. Eindrucksvoller Dörte Lyssewski und Barbara Sukowa, und der einzige, der seinen Rollen ein Geheimnis sicherte: Jens Harzer als Gämsenjäger und Geist. Abbado erzielte in den spärlichen Musiknummern ein Höchstmaß an Phrasierungsintensität und Tiefenschärfe, genügend Argumente für das Stück lieferte der Abend dennoch nicht.

Wohl aber für den Zustand der Philharmoniker, die inzwischen Meldungen, Rattle solle abgelöst werden, als "haltlos" dementierten. Bis 2012 gilt sein Vertrag. Und gewiss hat Rattle Schwächen. Großdimensioniertes à` la Mahler zerbröselt schon mal im detailverliebten Dirigat, doch dafür gibt's Gäste. Und dass nun Namen wie Barenboim und Thielemann als "Nachfolger" fallen, erscheint grotesk. Barenboim, unangefochtener Musikchef der Deutschen Staatsoper Berlin und bald noch an der Mailänder Scala aktiv, dürfte wohl kaum die Philharmoniker zusätzlich übernehmen. Zudem stünde sein Name für einen Rückfall in die karajaneske Klangverfettung.

Und Thielemann? Dessen Vertrag bei den Münchner Philharmonikern gilt noch einige Jahre, zudem werden ihm eher Ambitionen als ständiger Gastdirigent in Wien nachgesagt. Die Rückkehr in seine Heimat Berlin mag für ihn verführerisch sein, für die dortigen Philharmoniker wäre sie indes gleichbedeutend mit einer Repertoireverengung. Aber wie die Kampagne auch ausgeht: Publikumsverführer à` la Rattle sind in München immer willkommen.

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