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Silvio Berlusconi

Berlusconi in Turbulenzen

München - Sommer, Sonne, Strand - und leider auch Berlusconi, dessen Regierung gerade vor dem Kollaps steht. Wer nach der Rückkehr aus den Ferien wissen will, wie sein Lieblingsurlaubsland abseits der touristischen Erholungspfade tickt, der ist mit zwei schmalen, aber substanzvollen Aufsatzbänden des Instituts für Zeitgeschichte in München bestens bedient.

Die Autoren sind beileibe keine Verharmloser, aber sie bürsten die gängigen Klischees vom „Diktator“ Berlusconi gegen den Strich.

So nimmt der langjährige Italien-Kenner Hans Woller das Land in einem klugen Porträt Berlusconis gegen pauschale Verdächtigungen in Schutz. Italien sei ein „krisenerfahrenes Staatsgebilde“, dessen Selbstheilungskräfte nicht gelähmt sind. Die Medienmacht Berlusconis ist für ihn ein zweitrangiges Problem. Schwerer wiege, dass er Italien aufgrund schwerer Fehler in der Wirtschaftspolitik in der Stagnation gebannt habe. „Italien fällt in Europa immer weiter zurück.“ Andere Autoren sind kritischer, erinnern zum Beispiel an die in Italien üblich gewordene Geringschätzung des antifaschistischen Grundkonsenses - mit seiner „Teilrehabilitierung des Faschismus“ schlage Italien einen Sonderweg ein.

Dennoch ist man geneigt, Wollers Grundannahme von der sturmerprobten Demokratie zu teilen. Diesen Optimismus lehrt auch ein Blick auf die „Bleiernen Jahre“, die Sturmjahre des Terrorismus. Der RAF-Terror, so blutig er war, verblasst dabei neben den italienischen Terrorwellen, die die Brigate Rosso (Roten Brigaden), aber auch neofaschistische Gruppen auslösten. Zwischen 1969 und 1982 wurde Italien von rund 8800 Anschlägen erschüttert, die 351 Tote und 768 Verletzte forderten. Zum Vergleich: Die RAF ermordete 34 Personen. Die Bedrohung „war in Italien größer als in allen anderen westlichen Demokratien“.

Der Vergleich lehrt aber auch, dass Deutschland und Italien trotz des Schocks von 1977 (Schleyer-Entführung) und 1978 (Ermordung Aldo Moros) ähnliche deeskalierende Maßnahmen gegen den Terror von links entwickelten. Erinnert sei nur, dass Bundeskanzler Helmut Schmidt selbst im „deutschen Herbst“ des Jahres 1977 Zeit für ein fünfstündiges Gespräch mit den „linken“ Schriftstellern Max Frisch, Siegfried Lenz und Heinrich Böll fand - und ein ähnlich unverkrampftes Verhalten auch seinem Gegenüber Andreotti empfahl.

Härte und Gesprächsbereitschaft, dieses Rezept gilt wohl auch für die jetzige Berlusconi-Ära. Und die Hoffnung bleibt ja - auf ein bella Italia ohne seinen zwielichtigen Staatsmann.

Dirk Walter

„Berlusconi an der Macht“ und „Die bleiernen Jahre“. Reihe „Zeitgeschichte im Gespräch“, herausgegeben vom Institut für Zeitgeschichte, Oldenbourg Verlag, München; je 16,80 Euro.

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