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Sich in den Film hineinträumen: Sam (Rod Gilfry) will statt Vorstadt-Langeweile lieber „Trouble“ in der Ferne.

Bernsteins "Trouble in Tahiti" bei den Opernfestspielen

München - Bernsteins "Trouble in Tahiti" wird bei den Münchner Opernfestspielen aufgeführt - ein Südsee-Brüller mit Dino und Palmen, in den man sich hineinträumen kann.

Das Haus ist da, das Kind ist da, das Paar liebt sich. Eigentlich. Alles paletti – oder? Leonard Bernstein beschreibt in seiner Mini-Oper „Trouble in Tahiti“ das Leben in der Peripherie. Er redet von Amerika – es könnte genauso gut Germering sein. Das Stück ist nach wie vor aktuell. Es greift nämlich tiefer, beschreibt jene Lebenskrise, die sich einstellt, wenn scheinbar alles erreicht ist und das Leben nur noch aufregungslos weiterläuft. Aber die Fassade muss gewahrt werden, und darum hängt in dieser Aufführung als Ansporn auch ein riesiger Smiley an der Wand des Null-Acht-Fuffzehn-Wohnzimmers. Es nützt aber nichts. Dauernd gibt es Krach, aber keine Aussprache. Das einzige, was die beiden hinkriegen, ist ein Kinobesuch: Immer wieder wird’s „Trouble in Tahiti“, ein Südsee-Brüller mit Dino und Palmen, in den man sich hineinträumen kann. Ob das Leben für Dinah und Sam (anständig: Beth Clayton und Rod Gilfry) noch mal prickelnd wird?

Bernstein, immer hungrig auf Oper, wenn er sie auch nie ganz erreicht, führte „Trouble in Tahiti“ 1952 an der Brandeis-University auf. Er schrieb den pointierten, oft komischen, amerikakritischen Text selber und verquickte in der Musik amerikanische und europäische Tradition. Jazz und Kurt Weill, dazu Copland und Gershwin geben ein süffiges Gebräu, das immer da gut ist, wo es knapp formuliert, rhythmisch arbeitet, mit Synkopen, mit Taktverschiebungen. Große Melodiebögen kommen allzu leicht sentimental heraus.

Kent Nagano, vor dem untadeligen Mahler Chamber Orchestra schien das Wechselbad Wagner-Bernstein zu genießen. Er hatte sich auch auf das Vorspiel „Bevor der Ärger richtig losgeht“ mit Texten von Regisseur Schorsch Kameruns „Goldenen Zitronen“ eingelassen, das den knappen einstündigen Abend eher verlängert als bereichert. Kamerun, immer öfter im Theater, aber zum ersten Mal mit einer Oper beschäftigt, fängt gut an. Ein Clown schlägt ein großes Bilderbuch vom Familienleben auf, das sieht man gleichzeitig auf Video. Da verschieben sich Ebenen witzig und theaterwirksam. Je länger desto mehr verjuxt aber das grell als Clownsnummer geführte Jazztrio, von Bernstein als eine Art kommentierender „griechischer Chor“ eingesetzt, seinen Sinn. Die Aufführung gerät in Schieflage, bleibt hängen zwischen Nicht-komisch-genug oder Nicht-ernst-genug.

Von Beate Kayser

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Donnerstag und Freitag; Telefon: 089/ 21 85 19 20.

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