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Der Regisseur und sein Hauptdarsteller am Set von „Trautmann“: Marcus H. Rosenmüller (re.) und David Kross.

Besuch bei den Dreharbeiten von „Trautmann“

Bert Trautmann – der Feind, der zum Helden wurde

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Regisseur Marcus H. Rosenmüller verfilmt in München derzeit die Geschichte des deutschen Torhüters Bert Trautmann, der zwischen den Pfosten von Manchester City zum Helden wurde. Wir haben die Dreharbeiten besucht. 

Bert Trautmann (1923-2013)

München – Von München nach Manchester sind es in diesen Tagen kaum mehr als 43 Schritte. Die Holzstraße ist gerade von der Müllerstraße abgezweigt, da öffnet sich rechter Hand der schmale Durchgang in einen Innenhof. Die Häuser hier sind perfekt saniert, die Fassaden strahlen weiß, das Kopfsteinpflaster ist akkurat verlegt. Typisch Glockenbachviertel. Wer jedoch weitergeht und links in einen zweiten Hof einbiegt, steht an einem Gebäude, das ein Schmuckkästchen sein könnte – wenn sich jemand in den vergangenen Jahrzehnten darum gekümmert hätte: Verwittert, grau und rußig ist das Mauerwerk, Lack blättert von Fensterrahmen und Türen, Spinnweben hängen am Durchgang, der Boden ist kaum mehr als festgetretene Erde.

Hier ist jetzt Manchester, hier dreht Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) seinen neuen Film. „Trautmann“ ist im England der Nachkriegszeit angesiedelt. Im Hinterhof an der Holzstraße entstehen bis Freitag jene Szenen, die vor und im Laden von Jack Friar spielen. Das Team musste kaum mehr machen, als einige Attrappen verrußter roter Backsteinmauern aufzustellen, um die britische Stadt im Glockenbachviertel zu simulieren.

„Trautmann“ kommt im Herbst 2018 in die Kinos

„Trautmann“ (Kinostart: Herbst 2018) erzählt die Geschichte von Bernhard „Bert“ Trautmann. Der gebürtige Bremer, dessen Todestag sich heute zum vierten Mal jährt, geriet als Fallschirmjäger während des Zweiten Weltkriegs in Gefangenschaft. Im Lager spielte er Fußball – und fiel Friar auf, der ihn für seinen Provinzclub St. Helens engagierte. Im Jahr 1949 wechselte Trautmann zu Manchester City, wo ihm die Fans zunächst feindselig begegneten. Die Aversion muss so heftig gewesen sein, dass Alexander Altmann, Manchesters Rabbiner und selbst Opfer des NS-Rassenwahns, in einem offenen Brief die Bürger der Stadt bat, ihre Vorurteile gegen Trautmann zu revidieren. Der deutsche Torhüter eroberte sich in der Folge nicht nur den Respekt der britischen Fans – 1956 wurde er zum Helden, als er seinem Verein im Pokalfinale im Wembley-Stadion den Sieg gegen Birmingham City sicherte. Was keiner ahnte: Trautmann spielte in der letzten Viertelstunde mit Genickbruch, den er sich zugezogen hatte, als Birminghams Stürmer Peter Murphy ihn mit dem Knie im Nacken getroffen hatte.

Knapp zehn Jahre reifte die Filmidee

Neun Jahre ist es inzwischen her, dass Produzent Robert Marciniak im Schneideraum Rosenmüller von Trautmann erzählte. Damals waren die beiden gerade mit der Fertigstellung von Rosenmüllers Film „Die Perlmutterfarbe“ beschäftigt. Seitdem hat der Stoff sie nicht losgelassen. Jetzt sitzen beide in einem Raum, der seine besten Tage längst hinter sich hat, und schauen auf einen großen Monitor. Draußen, unter der heißen Münchner Sonne, wird gerade ein kurzer Dialog zwischen Trautmann und Friars jüngster Tochter gedreht, während der Vater im alten Morris auf den Hof tuckert. „That’s nice“, raunt Rosenmüller, der einst selbst zwölf Jahre in der Kreisliga Fußball spielte, seiner Assistentin zu und meint die Abgasschwaden, die malerisch über den Bildausschnitt wabern.

Der „Rosi“, wie er von den deutschen Mitarbeitern dieser deutsch-britischen Koproduktion genannt wird, springt immer wieder auf, um im Hof den Schauspielern seine Vorstellungen zu erklären, manche Szene auch selbst kurz anzuspielen. Falls er gestresst ist oder unter Druck stehen sollte, lässt es sich der 43-Jährige nicht anmerken: Ein Scherz hier, ein schelmisches Grinsen da – Rosenmüller versteht es, gute Laune zu verbreiten. Dennoch sei er „schon aufgeregt“, berichtet er später in der Drehpause – schließlich gebe es bei „Trautmann“ viele neue Eindrücke: Ein Teil des Films entstand in Nordirland, das neben Bayern die Produktion finanziell unterstützt, und da zahlreiche britische Schauspieler mitwirken, wird auf Englisch inszeniert. „Da ist man besonders akkurat bei der Arbeit“, erklärt Rosenmüller.

David Kross spielt die Titelrolle

Der Moment des Genickbruchs im Pokalfinale 1956.

Die Titelrolle hat er mit David Kross besetzt, der seinen internationalen Durchbruch 2008 in „Der Vorleser“ nach Bernhard Schlinks Roman feierte. „Rosenmüller hat das, was für ihn die Essenz der Geschichte ist, in den Film gepackt. Genauso sehe ich das auch mit der Rollenarbeit“, erklärt der 27-jährige Schauspieler: „Es gibt wenig Filmmaterial vom jungen Trautmann. Es gibt einige Interviews mit dem alten – und ich habe mir dann herausgesucht, wie ich ihn sehe. Das habe ich alles für ,meinen‘ Trautmann benutzt. Ich arbeite viel mit Bildern, meine ganze Wohnung ist voll mit Trautmann-Bildern.“

Der Einzige bei diesen Dreharbeiten, der den Deutschen tatsächlich noch in Aktion gesehen hat, ist übrigens John Henshaw, der Jack Friar spielt und gerade wieder einmal im Morris auf den Hof einbiegt. Der Brite kam 1951 in Manchester zur Welt und ging als Bub an der Hand seines Vaters ins Maine Road Stadion, um Manchester City zuzujubeln. Hier hütete Trautmann das Tor bis 1964.

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