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Berthold Eichwald von den „Freunden des Nationaltheaters“ betont das mäzenatische Bürgerengagement

Berthold Eichwald über die „Freunde des Nationaltheaters“, Geld und Jugendarbeit

München - Der Verein der „Freunde des Nationaltheaters“ feiert heuer sein 60-jähriges Bestehen. Den 800 Mitgliedern geht es nicht um Kultursponsoring, sondern um Mäzenatentum. Selbstlos, ohne Gegenleistung. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden des Vorstandes Berthold Eichwald.

Hat die Oper nicht genügend Freunde, dass es dafür eigens einen Verein braucht?

Das ist die typische Frage, die man heute stellen muss bei der Vielfalt an Freundesvereinen und Sponsorenvereinigungen, die ein großes Haus natürlich hat. Wir sind eine bürgerschaftliche Mäzenatenvereinigung. Das ist etwas, das fast ausgestorben ist im Vergleich zu den Sponsorenaktivitäten. Sponsoring, das schnell verwechselt wird mit Mäzenatentum, hat ja einen ganz konkreten geschäftlichen Aspekt: nämlich, dass derjenige, der Geld gibt, einen Nutzen für sein Unternehmen oder seinen Verein hat. Mäzenatentum ist eben die Freude des Bürgers, altruistisch zu geben für einen guten Zweck.

Wo ist da die Besonderheit der „Freunde des Nationaltheaters“?

Wir sind eine Vereinigung von Bürgern, die eine emotionale, enge Bindung an die Bayerische Staatsoper, das Gärtnerplatztheater, das Cuvilliés-Theater und das Prinzregententheater haben. Die Mitglieder sind bereit, ständig Geld zu geben – und zwar unabhängig vom ganz konkreten Anlass und unabhängig davon, ob sie einen unmittelbaren Nutzen davon haben.

Im Jubiläumsjahr haben Sie der Oper einen Steinway-Flügel im Wert von 120 000 Euro gestiftet. Das ist sicher nicht so schnell zu stemmen?

Doch, das ging ganz schnell. Natürlich muss jedes Mitglied überlegen, ob es in der Lage ist, Geld zu geben. Es gab eine große Anzahl an Spenden in Kleinbeträgen. Wir freuen uns über die großen Spenden. Aber ganz besonders freuen wir uns , wenn 20, 30, 50 Euro gespendet werden. Hier weiß man, dass dahinter Menschen stehen, die sich das Geld nahezu vom Munde abgespart haben.

Die „Freunde des Nationaltheaters“ sind kein Verein, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt. Es gibt keine Vereinsmeierei. Wie findet Vereinsleben statt?

Sehr sympathisch, dass Sie sagen: keine Vereinsmeierei. Damit hätten wir auch ein Problem. Zunächst sind wir in erster Linie der Freund des Nationaltheaters, der Freund der Oper. Aber wir achten darauf, dass unsere Mitglieder sich untereinander als Freunde empfinden. Dazu gehört zum Beispiel gemeinsames Reisen, gemeinsame Veranstaltungen wie ein Tag in der Staatsoper...

Da schauen Sie dann hinter die Kulissen?

Ja, was immer wieder spannend ist. Es gibt gemeinsame Probenbesuche, ein Gespräch mit der Intendanz mit anschließendem kleinen Empfang. Freundschaft unter den Freunden.

Der Verein unterstützte nicht nur die Oper, sondern viele andere kulturelle Einrichtungen wie das Volkstheater, die Ruhmeshalle oder die Finanzierung eines neuen Turms für die Mariahilfkirche in der Au und die Sanierung alter Künstlergräber.

Der Fokus ist eindeutig das Musiktheater. Das ist auch der Schwerpunkt der Finanzen. Aber es gibt Randbereiche, die mit der Kultur in München zu tun haben. Wir tragen diesen Geist weiter, den diese erste Münchner Bürgerinitiative vor 60 Jahren bewegte, als man sich für den Wiederaufbau der Ruine des im Krieg zerstörten Nationaltheaters am selben Platz, im selben Stil eingesetzt hat und keinen modernen Sichtbetonbau in der Peripherie wollte. Das war eine Initiative gegen Widerstände nicht nur auf der Ebene der Ministerien, sondern auch auf der künstlerischen Ebene. August Everding hat später eingeräumt, dass er es damals komisch fand, dass man in München einfach wieder das alte Theater aufbaute. Später war er sehr glücklich, weil der Zeitgeist nur sehr kurzfristig war. Diese Grundidee – eine Art Bürgerinitiative, nicht Wutbürger – zu haben, die konstruktiv etwas bewegen, öffentliche Meinung mitgestalten und mit Geld anstoßen will, treibt uns auch heute an.

Derzeit wird sehr diskutiert, ob München einen zusätzlichen Konzertsaal braucht. Können sich die Freunde für dieses Projekt begeistern?

Die öffentliche Meinung ist ziemlich eindeutig, was die künstlerische Seite anbelangt. Man will einen akustisch besseren Saal haben. Uns als Freunde der Oper ist klar: Wir unterstützen das, was die Bayerische Staatsoper erwartet. Wenn sie das nicht als Konkurrenz betrachtet, dann ist es sicher für uns ein Thema. Wenn nicht, dann müssen wir nicht unbedingt auf diesen Zug noch aufspringen.

Sie waren kürzlich mit dem Verein in Wien und haben ein Konzert im Goldenen Saal des Musikvereins gehört mit einer grandiosen Akustik. Wird man da nicht neidisch?

Ja, da muss man neidisch werden. Es gibt wohl kaum eine bessere Akustik als im Wiener Musikvereins-Saal. Da wird man nachdenklich. Andererseits, der Musikverein hat ein eindeutiges Profil. Das kann ich persönlich für ein neues Musiktheater in München noch nicht sehen. Wir werden nicht als Bannerträger in dieser Phase voranschreiten.

Inwieweit können Sie Einfluss nehmen auf Personalentscheidungen und kulturpolitische Fragen?

In unser Mäzenatentum-Selbstverständnis passt es überhaupt nicht, Einfluss auf Personalentscheidungen oder das Programm auszuüben. Ich glaube, dass es ein guter Zug ist, wenn ein Mäzenatenverein Geld gibt, das er der künstlerisch freien Gestaltung ohne Vorbedingung bereitstellt. Das wäre sonst ein Mitregieren. Wir regen lieber an.

Wie gewinnen Sie die Jugend für die Oper?

Das ist die spannendste Aufgabe. Ein Gebäude, einen Vorhang oder einen Lüster zu finanzieren, ist alles überschaubar. Jugend begeistern ist die globale Herausforderung. Wir haben verschiedene Initiativen, um junge Menschen auf und vor der Bühne zu fördern. Wir fördern die Theaterakademie, auch das Vorspieltraining von jungen Musikern. Dann unterstützen wir das Kinderprogramm der Oper. Es ist fantastisch, wenn man mal einen Sonntagmorgen in der Staatsoper ist und hört dort Kindergeschrei. Die dort einmal gewesen sind als Kind, haben später keine Scheu, in die Oper zu gehen. Im Hubertussaal haben wir im Herbst eine Opernveranstaltung, bei der es auch einen traumhaft schönen Vormittag für Schulklassen geben wird. Hier wird den Kindern von Moderatoren erklärt, was Gesang bedeutet, wie eine Sängerin ihre Verliebtheit zum Ausdruck bringt. Das ist langsames Heranführen der Jungen, damit sie Oper auch verstehen und lieben lernen.

Das Gespräch führte Claudia Möllers.

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