Berühmte und Berüchtigte

- Der Kreis hat sich geschlossen: Helmut Newtons Fotosammlung ist von diesem Samstag an im neuen Berliner Museum für Fotografie zu sehen und damit in jener Stadt, in der Helmut Neustädter seine Ausbildung 1936 begonnen hatte. Dort in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo, wo früher im damaligen Landwehrkasino die Porträts preußischer Offiziere an der Wand hingen, begrüßen den Besucher jetzt im Treppenhaus Newtons berühmte Nacktmodelle.Den ergreifenden Schlusspunkt der Dauerausstellung der Helmut-Newton-Stiftung und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den über 1000 Werken des großen Fotografen bilden die hier erstmals gezeigten Bilder vom Sterbebett Newtons in Los Angeles im Januar 2004.

<P>Diese Aufnahmen auch nach Berlin gegeben zu haben, sehen die Ausstellungsmacher als große Geste von Newtons Witwe June. Mit einem Selbstauslöser hatte sie sich fotografiert, als sie sich im Krankenhaus über ihren an Schläuchen hängenden Mann beugte. In der ersten Etage ist die Ausstellung "Us and Them" zu sehen, ein Gemeinschaftsprodukt von Helmut und June Newton als eine Art fotografisches Tagebuch ihres über 50-jährigen Zusammenlebens mit Selbstporträts sowie Bildern von Freunden und Weggefährten, Berühmten und Berüchtigten, Prinzen und Schauspielern oder Modemachern wie dem nackten Gianni Versace. Immer wieder rückt Newton das erotische Moment in den Mittelpunkt, ob in der Hotelsuite, vor dem Auto oder auf dem Liegestuhl. Und seine Frau fotografiert den nackten Newton unter der Dusche oder lässig am Fenster lehnend. Auf die Anfänge seiner Karriere blickt das frühe Foto von 1936 zurück, das den jungen Newton im Studio in Berlin-Charlottenburg mit Schlapphut und Kamera zeigt. Eine andere Abteilung präsentiert unter dem Titel "Sex and Landscapes" weniger bekannte Newton-Fotos, die ihm aber sehr am Herzen lagen, Landschaftsaufnahmen aus Europa und Amerika, oftmals auch verwoben mit Glamour und Inszenierungen sexueller Obsessionen.</P><P>Die Momente der Erotik</P><P>Über den Ausstellungsort am Bahnhof Zoo zwischen Bahnhofsmission, Fixer- und Drogenszene, für den sich ihr Mann selbst entschieden hatte, meinte June Newton, es sei der richtige Ort "für das schönste Museum in Berlin, ich habe ein gutes Gefühl in dieser Gegend". Das Herz ihres Mannes habe immer an Berlin gehangen. "Er liebte den Berliner Dialekt und die Gespräche mit den Taxifahrern und Wurstverkäufern."</P>Geöffnet Di.-So., 10-18 Uhr.

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