Beschlossen: Die Abwicklung des Orchesters

- Nach dem 11. September 2001 gaben die Münchner Symphoniker im Namen der Stadt ein Benefizkonzert für die Opfer des Anschlags. "Das werde ich Ihnen nie vergessen", soll Kulturreferentin Lydia Hartl damals den Musikern gedankt haben. Gestern wurde im Kulturausschuss beschlossen, was Lydia Hartl in ihrem Sparkonzept zur Konsolidierung des Haushalts vorgeschlagen hat: die Abwicklung des Münchner Orchesters, indem die städtischen Zuschüsse (zurzeit ein Drittel des Etats) bis 2005 auf Null reduziert werden.

<P>Seit Wochen wird über die Sparvorschläge des Kulturreferats debattiert, nun hat in der gestrigen Sitzung im Kulturausschuss die Mehrheitsfraktion Rot-Grün ihren Segen dazu und zu den eigenen Änderungsanträgen gegeben. Die endgültige Beschlussfassung erfolgt aber erst in der Vollversammlung des Stadtrats am 2. April.</P><P>Nicht abgestimmt, sondern nur beraten wurde über das Schicksal der Stadtbibliotheken sowie über das NS-Dokumentationszentrum. Dazu hat Rot-Grün einen Antrag zur Besetzungsänderung des Kuratoriums eingebracht. Beides kommt zur Abstimmung in der Vollversammlung. Die von Rot-Grün eingebrachten Änderungen zum Sparkonzept betreffen das Volkstheater, das etwas mehr Geld erhält, als vorgesehen (4, 6 Millionen); das Maximiliansforum und die Artothek, die nun am Leben erhalten werden; das Kulturreferat selbst, das einen stärkeren Konsolidierungsbeitrag zu leisten hat. Abgeschmettert wurde Lab 21, das Medienprojekt von Lydia Hartl.</P><P>Außerdem werden zusätzlich die Kammerspiele um 100 000 sowie die Philharmoniker um 200 000 Euro zur Kasse gebeten. Die Festivals Musikbiennale und Dance sollen je auf ein bis zwei Produktionen verzichten. Darüber hinaus werden die Zuwendungen der Stadt an die Staatlichen Musiktheater, also an Staatsoper und Gärtnerplatztheater, um 380 000 Euro gestrichen.</P><P>Die CSU-Fraktion verweigerte auch diesmal wieder eigene Sparvorschläge - mit dem Hinweis darauf, dass sie ihre Streichliste in der Vollversammlung vorstellen werde. So freilich ist es leicht, gegen alles zu stimmen und sich für den Erhalt der Symphoniker in die Brust zu werfen. Auf die berechtigte Frage Ursula Sabathils (CSU) aber, ob man denn schon die Antwort der Staatsregierung auf die Zuschuss-Rücknahme der Stadt kenne, wusste von Rot-Grün niemand eine Antwort. So wie die Stadt ihren Subventionsbeitrag für die Opern leistet, geschieht das auch umgekehrt. Sollte es also aus dem Hause Zehetmair eine Retourkutsche geben, könnte es passieren, so Sabathil, "dass letztlich unterm Strich die Stadt möglicherweise Geld verliert, anstatt gewinnt".</P><P>Der größte Wermutstropfen im Sparpaket ist und bleibt das drohende Aus für die Münchner Symphoniker, die übrigens der Kulturausschusssitzung auf der Zuschauertribüne folgten. Angesichts der zum Teil in Arbeitskleidung, also im Frack, erschienenen Musiker, sah sich OB Ude wohl verpflichtet, erklärend und sich quasi entschuldigend selbst das Wort zu ergreifen: Die Schließung des Orchesters sei eine Katastrophe, deren Ursachen aber nicht bei der Stadt lägen, sondern in die Verantwortung der Bundesregierung fielen. Die Stadt sei genauso wie jetzt die Symphoniker "überrumpelt" worden - durch die verheerenden Steuerverluste (insgesamt 600 Millionen Euro). Dem Orchester rät Ude cool, die Einnahmen zu steigern - ein Konzert dürfe getrost teurer sein als ein Kinobesuch - und Sponsoren zu finden.<BR></P>

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