Paavo Järvi dirigierte die Münchner Philharmoniker

Beschwingter Frühling

Frühlingsgefühle bekam man nicht nur wegen des sonnigen Wetters, sondern auch dank des Abokonzerts der Münchner Philharmoniker unter der Leitung des estnischen Dirigenten Paavo Järvi. In der „Scène d’amour“ aus Hector Berlioz’ „Roméo et Juliette“ blieben die Emotionen allerdings aus:

Derart trocken, distanziert und ideenlos gestaltet, erinnerte die eigentlich so romantische Stimmung der Szene eher an zwei verklemmte Teenager als an eines der berühmtesten Liebespaare der Geschichte.

Dafür war Alexander Skrjabins Klavierkonzert in fis-Moll umso schwärmerischer, erst recht unter den flinken Fingern von Anika Vavic. Die in Belgrad aufgewachsene und in Wien ausgebildete Pianistin ließ Skrjabins faszinierend farbige Musik in allen Nuancen strahlen. Verträumt zeichnet sie die feinen Läufe und Themen im ersten Satz nach, energisch und wie in einem Gefühlsrausch das punktierte Motiv des Finales. Heimlicher Höhepunkt aber ist der graziöse Mittelsatz: In vier Variationen wird ein liedhaftes Thema, das Skrjabin angeblich bereits mit elf Jahren geschrieben hat, mal zart, mal tief und düster abgewandelt; ein fantastisches Stück, das aus Anika Vavic herauszuströmen scheint. Sie wird eins mit dem Klavier und der Musik. Für ihre überragende Leistung bekommt sie leider nur verhaltenen Applaus, zum Glück entschließt sie sich doch noch zu einer kurzen, aber wundervollen Skrjabin-Zugabe!

Robert Schumanns erste Symphonie in B-Dur, die sogenannte Frühlingssymphonie, bringt die beschwingte Stimmung zurück, wenn auch nur halb: Nicht so recht gelingen will Järvi der Anfang des ersten Satzes, unmerklich driften die Instrumente und Motive auseinander, drohen fast auseinanderzufallen. Der Rest ist solide, aber das Tüpfelchen auf dem i, die Gänsehaut, die sich bei Skrjabin einstellte, fehlt: Schumanns fesselnde Musik packt einen nicht.

Von Anita Svach

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