Beschwipste Fee

- Nichts passt zusammen an diesem Abend in der Allerheiligen-Hofkirche. Da steht ein zierliches Persönchen im weinroten Kleid, behangen mit Halsschmuck, der an "Flucht in Ketten" erinnert. Sie singt, ach was, sie wispert wie eine beschwipste Fee, röhrt wie ein Fuhrknecht, raunt wie ein Voodoo-Priester. Um sie herum schwirrt wie Ministranten, wie servile Drohnen um die Königin ein Quartett aus Althippies, bewaffnet mit Saxofonen. Sie entfachen ein Inferno, dass man sich sorgen macht um das Backsteingemäuer. Und alle haben einen Riesenspaß.

Maria João hat Sinn fürs Absurde. Sonst hätte sich die in Portugal so beliebte Stimm-Akrobatin nicht Florian Bramböck, Klaus Dickbauer, Christian Maurer und Wolfgang Puschnig alias "Saxofour" angeschlossen. Die österreichischen Individualisten arbeiten seit 2002 mit ihr zusammen. João klinkt sich als fünfte Stimme in die improvisatorischen Höhenflüge zwischen Lounge- und Free-Jazz ein, klingt dabei aber nicht wie das fünfte Rad am Wagen.Für das Programm wurden hauptsächlich Songs ausgewählt, die aus der Feder der sympathischen Diva stammen. Mit welcher Ökonomie die Portugiesin ihre Stimme aus dem Keller in höchste Register jagt, dann wieder wie eine Gebärende hechelt, ist allein unter artistischen Gesichtspunkten bewundernswert. Der assoziative Schwall berührt jedoch nicht immer. Das gleiche Problem stellt sich bei "Saxofour". Brillante Virtuosen sind sie allesamt, aber im Ensemblespiel leidet die Dynamik doch sehr, und bisweilen ist alles nur noch anstrengend. Wie übrigens auch manche der komödiantischen Einlagen. Die gehören zum lockeren Konzept, und deshalb jagen die vier Musiker immer wieder quer durch die Kirche, kokettieren mit João oder geben dem Publikum den Rat, man solle nur ein paar der feilgebotenen CDs kaufen - und sie sich dann gegenseitig brennen. Mal albern, mal großartig, ist das alles - und so ist auch dieser Abend, an dem nichts zusammenpasst . . .

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