Der bessere Ort

- Ein großes Drama, universale Themen, und doch ist alles ganz leicht, so leicht, dass Menschen hier sogar durch die Luft fliegen. Die Berlinale hat kaum erst begonnen, da hat sie schon ihren ersten Favoriten: "Hero", der neue Film von Zhang Yimou ist, wie der Titel schon vermuten lässt, eine Heldensage, ein Märchen aus der mythisch-vorgeschichtlichen Zeit des Reiches Qin, kurz vor dem Bau der Chinesischen Mauer.

<P>Zhang, der durch symbolträchtige Historien-Epen wie "Rotes Kornfeld" weltberühmt wurde, betritt hier Neuland: ein Film im zur Perfektion gebrachten Kampfkunst-Stil des Hongkong-Kinos, aber eine ernste Geschichte. Zugleich ist unübersehbar, dass sich Zhang stilistisch dem großen Akira Kurosawa annähert. Denn Zhang erzählt seine Geschichte von den vier unterschiedlichen Helden, die so poetische Namen tragen wie Gebrochenes Schwert und Fliegender Schnee, ähnlich wie es Kurosawa im Klassiker "Rashomon" tat: in vier verschiedenen Varianten.</P><P>So bleibt auch die Botschaft des Films gewollt ambivalent: Sie kann fatalistisch wie optimistisch verstanden werden, als verstecktes Plädoyer für Widerstand wie als Anbiederung an die Pekinger Diktatur.</P><P>Wichtiger als die Story sind aber die Bilder von "Hero": eine Farborgie in Rot, Blau, Weiß und Jadegrün, voll traumhafter Einfälle, mit Witz und Stilisierungswillen. Film als Kunst der entfesselten, "reinen" Bewegung. Pathetisch, sinnlich, schwelgerisch.</P><P>Das Gegenteil davon erlebt man bei "In this world" vom Briten Michael Winterbottom, der selbst schon mehrfach bewiesen hatte, dass er leidenschaftlich und äußerst sinnlich erzählen kann. An Leidenschaft fehlt es ihm auch diesmal nicht, zugleich ist der Film aber der Beweis dafür, dass "gut gemeint" manchmal das Gegenteil von "gut" sein kann. Winterbottom lässt sich vom Leiden der weltweit über 14 Millionen Flüchtlinge zu einem Thesenstück hinreißen, dass leider filmisch völlig uninspiriert bleibt.</P><P>In einem elenden Flüchtlingslager in Pakistan am Rand der afghanischen Grenze beobachtet man zwei Jungen bei ihrem absehbar scheiternden Versuch, sich durch Pakistan, Iran, und die Türkei in den Westen durchzuschlagen. Der Film wurde mit Laien an Originalschauplätzen per Handkamera gedreht und ist gewiss ein politisch engagiertes und moralisch sympathisches Stück Kino. Um daraus einen wettbewerbstauglichen Film zu machen, fehlt Winterbottom aber die Distanz.</P><P>Schließlich gab es noch eine Premiere: Der zweifache amerikanische Oscar-Preisträger Kevin Spacey stellte in Berlin seinen neuen Film "Das Leben des David Gale" vor. In dem vom britischen Regisseur Alan Parker inszenierten Drama spielt Spacey einen texanischen Aktivisten gegen die Todesstrafe, der selbst wegen angeblichen Mordes in der Todeszelle landet. Spacey, derzeit als künftiger Direktor des ehrwürdigen Old Vic Theaters in London im Gespräch, machte zwar keinen Hehl aus seiner privaten Ablehnung der Todesstrafe, gab aber zu bedenken:</P><P>"Ich habe noch keine Schwester oder Kind durch Mord verloren. Darum weiß ich nicht, wie ich in einem solchen Fall empfinden würde." Er zeigte sich optimistisch, dass Filme die Welt zu einem besseren Ort machen können, denn "jede Art von Kunst will die Menschen erschüttern".</P><P> </P>

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