Die beste und schwierigste Musik

- Es gibt die ausschließlichen Tänzer. Und die mehrgleisigen, die schon in der Ausbildung unterrichten, bald auch das Choreographieren versuchen - wie Eckhard Paesler. Nach Studium an der Essener Folkwang- und der Stuttgarter John-Cranko-Schule hat er ein erstes Engagement 1981 bei Günter Pick in Augsburg. Folgt ihm nach Mainz, Aachen und 1986, für immerhin zehn Jahre, ans Gärtnerplatztheater. Danach verstärktes Tanzschaffen: am kommenden Samstag, 20 Uhr, in Münchens Lukas-Kirche seine "Johannes-Passion".

<P>Zehn Jahre war er am<BR>Gärtnerplatz engagiert</P><P>Bach? Und dann gleich religiöse Musik, das scheint tollkühn - wenn man nicht wenigstens John Neumeier ist (1981 dessen "Matthäus-Passion"). "Ich finde die ,Johannes-Passion eher tanztauglich", meint Paesler, gibt aber zu: "Es ist für mich die bisher beste, die schwierigste Musik." Angefangen habe er eher im Bereich Operette, als Günter Pick ihn einmal anspornte. Daraus entwickelte sich ab 1993 die choreographische Mitarbeit und Betreuung verschiedener Opern und Operetten am Gärtnerplatztheater.</P><P>Den beiden Genres bleibt er treu: als Tänzer in Stefan Erlers Opernballett am Münchner Nationaltheater: "Stefan versteht es, mit viel Knowhow und Humor, Leute von unterschiedlichem technischem Niveau zusammenzuschweißen." Woraus man entnimmt, dass Paesler auch manches für seine eigene Gruppe lernt.</P><P>Als freier Choreograph wagte er sich in der Zwischenzeit an eine "Carmen", an Ravels "Bolero" und an "Mozart-Miniaturen". Bei der "Johannes-Passion" kann er auch auf Profitänzer bauen: Astrid Kiener tanzte am Regensburger Theater, Bridget Meredith, Steven Ron Barrett und Markus Heckel sind Ehemalige von Pick und dessen Nachfolger Philip Taylor. Modern geschulte Tänzer. "Aber es ist bei mir aus heutiger Sicht - absolut kein moderner Tanz", Paesler emphatisch. "Die Geschichte wird erzählt, von Judas' Verrat bis zur Kreuzabnahme, bebildernd und mit viel Bewegung."</P><P>Und wie geht das finanziell, mit immerhin zehn Mitwirkenden, ohne Subvention? "Nur durch die Einnahmen. Wir haben diesen zweistündigen Abend schon in Stade, Minden und in der Herz-Jesu-Kirche Neuhausen präsentiert. Aber in diesen kleinen Gemeinden war's für uns ein Defizit. Ich hoffe, das gleicht sich jetzt in St. Lukas aus. Generell schaffe ich es auch nur, weil ich alle Kostüme, mit Punkt und Komma, selbst nähe. Wir waren fünf Kinder zu Hause. Wenn ich eine gebrauchte Hose geschenkt bekam, musste ich sie umändern. Und proben kann ich ja im Studio meiner Ballettschule." Gewidmet hat Paesler die "Johannes-Passion" seinem besten Freund, dem charismatischen Gärtnerplatz-Solisten Johannes Huber, der 1998 durch Herzversagen plötzlich aus dem Leben gerissen wurde.</P><P>Karten unter Tel. 089/ 54 81 81 81; Infos tanzforum-ballett.de<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

DJ-Legende Carl Cox kommt zum Echelon-Jubiläum
Einen besonderen Stargast erwarten die Veranstalter des größten elektronischen Musikfestivals in Süddeutschland zum großen Jubiläum. 
DJ-Legende Carl Cox kommt zum Echelon-Jubiläum
Alt-J in der Olympiahalle: Raffinierte Schnipselei
Das Trio Alt-J vollführt ein der immerhin zu zwei Dritteln gefüllten Münchner Olympiahalle ein Kunststück: die Konzertkritik.
Alt-J in der Olympiahalle: Raffinierte Schnipselei
Baselitz und Deutschland
Der Maler, Grafiker und Bildhauer Georg Baselitz über Erinnerungen, Klassiker und Widerständler, Deutschland und Nationalismus
Baselitz und Deutschland
Der letzte Stummfilm-Schrei
Das Orchester Jakobsplatz spielte im Rahmen seiner Reihe „Flimmerkammer“ in den Münchner Kammerspielen zu „Der Student von Prag“. Lesen Sie hier unsere Kritik:
Der letzte Stummfilm-Schrei

Kommentare